Aus dem Leben eines Politik-Punks ** Lost & Found – Marco Pogo

Blogheader Marco Pogo (c) Marco Pogo

Vier Jahre ist es nun her, dass der Mediziner, Punk-Musiker und Politiker Dominik Wlazny als Marco Pogo neben der Konzert- auch die Kabarettbühne betreten hat. „Gschichtldrucker“ nannte der Turbobier-Frontmann damals sein erstes Programm, das zum Teil eine Art Wahlwerbeeinschaltung war. Kein Wunder, war die Premiere doch in Sichtweite der Bundespräsidentschaftswahl 2022, die der Bierpartei-Gründer immerhin als Dritter absolvierte. Seitdem ist allerdings viel passiert. Und so wurde es nun Zeit für ein neues Soloprogramm, das ähnlich aufgebaut ist wie das erste. 

Auch in „Lost & Found“ spricht Marco Pogo über Gott und die Welt – im wahrsten Sinn des Wortes und auch im übertragenen Sinn. Sprich: Er stellt fest, dass die Welt genauso ausschaut, als wäre sie von Gott in nur sieben Tagen hingerotzt worden. Und er bekennt, dass er seinen Glauben verloren hat und ihn nur hin und wieder bei Ryanair-Flügen wiederfindet. 

Ernste Passagen zwischen locker-flockigen Plaudereien

Marco Pogo widmet sich aber auch den Generationen X, Y und Z, die er unterschiedlich aufs Korn nimmt. Dabei gibt er zu, dass ihm selbst, dem Enddreißiger-Millennial, das Altern jetzt schon zu schaffen macht. Ein guter Anlass, um in Erinnerungen an eine Zeit zu schwelgen, in der man die Partnerin noch im real life anbaggern musste. „Dagegen ist Tinder ein Kindergeburtstag“, meint er. Dafür ist man früher auch zusammengeblieben, obwohl man sich schon lange gehasst hat. 

Das sind die ersten ernsten Passagen, die er zwischen seine locker-flockigen Plaudereien über falsch gebuchte Flüge oder eine Party-Kostümverwechslung mischt. Und wenn er eine Irrfahrt mit der Deutschen Bahn mit der ÖVP vergleicht, wird es auch politisch. Oder wenn er das Märchen von der „Festung Österreich“ zerlegt. So elegant wie der Übergang dazu ist auch jener zurück zum Motoröl in der Scheibenwaschanlage seines Autos, von dem er kurz darauf erzählt. Oder vom verglasten Klo im Hotelzimmer, das zu einer peinlichen Situation geführt hat.

In „Lost & Found“ spricht Marco Pogo über Gott und die Welt – im wahrsten Sinn des Wortes und auch im übertragenen Sinn. (c) Marco Pogo

Selbstironie, aber auch ein Plädoyer für die Demokratie

Es sind Geschichten zum Schmunzeln, die vor Selbstironie triefen und sich eher lose aneinanderreihen. Einen echten roten Faden findet man, wenn, dann im Titel „Lost & Found“. Denn Marco Pogo verliert sich immer wieder in seinen Erinnerungen und findet dabei neue Anekdoten, die er zum Besten geben kann. Aber es gibt eben auch die tiefernsten Momente in seinem neuen Programm, wie etwa ein Plädoyer für Demokratie und staatsbürgerliche Zivilcourage. Hier wird deutlich: Die Bierpartei hat er nicht bloß aus Spaß gegründet und sein Antreten bei der Bundespräsidentschaftswahl war für ihn eine wirklich ernste Angelegenheit. Weil ihm die Zukunft seiner Heimat wichtig ist.

Es scheint fast, als wollte sich Dominik Wlazny in erster Linie alles, was sich seit der Premiere von „Gschichtldrucker“ so angesammelt hat, an Erlebnissen, Erkenntnissen und Empfindungen, wieder einmal von der Seele reden. Und das geht eben am besten als Marco Pogo auf der Kleinkunstbühne. Ob alles wahr ist, was man da knapp zwei Stunden lang von ihm hört? Marco Pogo jedenfalls stellt fest: 

„Man soll bei der Wahrheit bleiben, auch wenn es unangenehm ist.“ 

Wohin genau er mit dem Ganzen will, weiß man nicht so recht. Aber der Weg dorthin ist durchaus unterhaltsam.

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