Als „lustigste Tirolerin seit Hansi Hinterseer“ bezeichnet sich Nina Hartmann auf ihrer Website. Nun, nix gegen den Ex-Skifahrer und Schlagerstar, aber das ist eindeutig ein Understatement. Denn der dunkelhaarige Wirbelwind aus der Marktgemeinde Rum ist nicht nur vier Zentimeter größer als der blonde Kitzbühler und hat längere Haare, sondern haut auch in zweimal 50 Minuten wesentlich mehr Pointen raus.
Die meisten davon drehen sich um das Dasein als Single, das die mittlerweile 44-Jährige nur zu gut kennt, wenn man ihren Ausführungen Glauben schenken mag. Wobei natürlich auch bei Nina Hartmann das Prinzip der kabarettistischen Überhöhung gilt.
Wenn sie also vor einem Paar im Publikum, das fast so lange verheiratet ist, wie sie alt ist, verbal auf die Knie fällt und bekennt, dass ihre längste Beziehung bloß neun Monate dauerte, also nicht länger als eine Schwangerschaft, dann kann das stimmen – oder auch nicht.
Singles reisen teurer
Hier soll es aber nicht um die Beziehungs(un)fähigkeit der Tiroler Kabarettistin und Schauspielerin gehen, die laut Blitzumfrage im Saal als Single in der absoluten Minderheit ist. Sondern um die witzigen Geschichten, die sie für ihr aktuelles Programm „Good Weibrations“ daraus zieht.
Nina Hartmann nimmt uns mit in ihre Mädels-Whatsapp-Gruppe. In deren digitalem Verhalten erkennt sicher jede*r entweder sich selbst oder aber andere wieder. Die Kabarettistin beschwert sich auch darüber, dass für sie als Single das Reisen im Verhältnis teurer kommt als für Pärchen (Stichwort: Einzelzimmerzuschlag). Sie versucht aber auch zu ergründen, warum die Benutzung von Sonnencreme offenbar für alle Männer der Höchststrafe gleichkommt. Dann erzählt sie von einer aufregenden Nacht mitten im australischen Dschungel. Und von den Surfer-Boys, die ihr und ihrer verängstigten Mitreisenden geraten haben, doch einfach am Strand entlang zurück zum Hotel zu gehen statt quer durchs Gebüsch. Ja, mit einem Mann an ihrer Seite wäre vieles im Leben angenehmer, einfacher, günstiger – „aber das ständige Gemotze, wenn ich wieder einmal wen mit heimbringe…“
Hier zeigt sich deutlich Nina Hartmanns Humor, den sie in einem halben Dutzend Kabarettprogrammen perfektioniertet hat. Immer, wenn es zu ernst zu werden droht, schiebt sie einen flotten Spruch hinterher, der das Ganze auflockert. Dabei ist sie sich für nichts zu schade, und es scheint nichts zu geben, was ihr peinlich ist. Sei es die Bewunderung für das Design der Arschdusche im Klo ihrer Mutter, die immer zielgenau den Anus trifft. Oder aber auch eine Runde Galopp mit ihrem neuesten Steckenpferd (im wahrsten Sinn des Wortes).

Frauen finden immer noch etwas Positives
Und doch steckt sehr viel Ernsthaftes über das Leben an sich und über zwischenmenschliche Interaktionen auch in diesem neuen Kabarettsolo, dessen Titel bei Nina Hartmann Programm zu sein scheint: „Good Weibrations“ ist ein geniales Wortspiel, das sehr viel über die Künstlerin sagt. Erstens bekommt man zweimal 50 Minuten von ihr fast ausschließlich gute Vibes, „weil Frauen immer noch etwas Positives finden“. Deshalb wünscht sie sich auch eine App, die nicht Schritte, sondern Lacher zählt.
Zweitens sollte man den Begriff „Weib“ hier nicht negativ lesen, sondern eher im Sinne von Veronica Ferres’ Rolle als „Superweib“ vor genau 30 Jahren. Auch ihr steht Nina Hartmann um nichts nach.
Nina Hartmann, geboren 1981 in Rum (Tirol), ist seit rund 20 Jahren als Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin tätig. Neben mehreren Theaterproduktionen war sie auch in TV und Kino zu sehen („Tatort“, „Soko Kitzbühel“, „Ex – eine romantische Komödie“, „Match me if you can“) und hatte sogar einen Auftritt in „Mission: Impossible – Rogue Nation“. „Good Weibrations“ ist ihr sechstes Kabarettprogramm.


