Diese Bücher erzählen von Vätern, die prägen, fehlen, verletzen – oder neu gedacht werden müssen.
1. „Vatermal“ von Necati Öziri
Ein Wutschrei in Briefform: Der junge, schwerkranke Arda schreibt aus dem Krankenhaus an seinen abwesenden Vater Metin, der die Familie verlassen hat und in die Türkei zurückgekehrt ist.
In Deutschland bleiben Arda, seine psychisch belastete Mutter und seine Schwester, die das Zuhause verlässt. Zwischen Migration, Rassismus und familiären Konflikten entfaltet sich ein Text, der ebenso lyrisch wie politisch ist.
Necati Öziris Debütroman war 2023 für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Verlag: Ullstein

2. „Mein Vater ist Putzfrau“ von Saphia Azzeddine
Ein Coming-of-Age-Roman über einen Jungen mit einem untypischen Vater – ein Mann, der als Reinigungskraft arbeitet. Der Roman hinterfragt unter anderem gängige Männlichkeitsbilder und Klassenklischees. Eine stille, liebevolle Hommage an Väter, die jenseits von Heldenerzählungen existieren.
Verlag: Klaus Wagenbach

3. „Liebe Jorinde, oder Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen“ von Mareike Fallwickl
Gewalt an Frauen, Gender Pay Gap, Mental Load und Care Work sind keine reinen Frauenprobleme. Auch Männer müssen sich für ein besseres System einsetzen. Nichtsdestotrotz leiden sie ebenfalls unter dem Patriarchat, das sie in alte Rollenmuster zwingt und ihnen wenige positive Vorbilder bietet. Dennoch tragen sie Verantwortung für ihr Handeln.
In ihrem ersten Sachbuch setzt sich Mareike Fallwickl mit Spannungen im heutigen Feminismus auseinander, insbesondere zwischen den Generationen. Ausgehend von einem Brief an die Regisseurin Jorinde Dröse entwickelt sie die Idee eines „Feminismus des Miteinanders“, der verbindet statt spaltet – ein Aufruf zu Solidarität, Dialog und gegenseitiger Anerkennung.
Jorinde Dröse inszenierte Fallwickls Romane „Die Wut, die bleibt“ und „Und alle so still“ für das Theater.
Verlag: Kjona

4. „Ostblockherz“ von Didi Drobna
In ihrem Roman Ostblockherz erzählt Didi Drobna die Geschichte einer Tochter, die sich nach Jahren des Schweigens wieder mit ihrem Vater auseinandersetzt. Als er schwer erkrankt, übernimmt sie die Verantwortung für ihn im Krankenhaus.
Dabei entdecken beide – trotz Sprachbarrieren und kultureller Entfremdung – neue Facetten ihrer Beziehung. Der Roman beleuchtet Migration, Identität und die zaghafte Annäherung zwischen Vater und Tochter – sensibel und beobachtungsscharf erzählt.
Verlag: Piper

5. „Lesben sind die besseren Väter“ von Lisa Bendiek
Lisa Bendiek fordert in ihrem Sachbuch queere Familienmodelle als Vorbilder für gleichberechtigte Elternschaft. Sie analysiert, wie traditionelle Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen in heterosexuellen Familien die faire Aufteilung von Care-Arbeit und Beruf erschweren.
Anhand ihrer eigenen Erfahrungen als queere Mutter und Studien zeigt sie, dass queere Familien trotz Diskriminierung oft gerechtere Modelle für Elternschaft bieten. Ein provokanter Titel mit großem Lernpotenzial.
Verlag: Edition Nautilus

Der Ursprung des Vatertags
Der Vatertag hat je nach Land unterschiedliche Ursprünge und Bedeutungen. In den USA wurde er erstmals 1910 gefeiert: Die Initiative ging von Sonora Smart Dodd aus, die ihrem Vater – einem alleinerziehenden Bürgerkriegsveteranen – öffentlich danken wollte. 1972 erklärte US-Präsident Richard Nixon den dritten Sonntag im Juni offiziell zum nationalen Vatertag.
In Österreich wurde der Vatertag vergleichsweise spät eingeführt: Er wird seit 1955 gefeiert, immer am zweiten Sonntag im Juni. Zunächst wurde der Vatertag stark von Handels- und Wirtschaftsinteressen unterstützt, insbesondere vom Blumen- und Süßwarenhandel. Eine gesetzliche Verankerung wie beim Muttertag gibt es jedoch nicht. Außerdem ist der Tag kein gesetzlicher Feiertag.
Vatertag im Nachbarland Deutschland
In Deutschland wird der Vatertag an Christi Himmelfahrt gefeiert – das ist ein christlicher Feiertag, der immer 40 Tage nach Ostern stattfindet. Der deutsche Vatertag hat aber keinen religiösen Ursprung, er entstand im späten 19. Jahrhundert. Männer begannen, an diesem Tag gemeinsam Ausflüge ins Grüne zu machen. Dabei zogen sie oft kleine Holzwagerl mit Getränken hinter sich her – in Deutschland nennt man diese Wagen „Bollerwagen“. Die Ausflüge waren meist mit viel Alkohol und geselligem Feiern verbunden. Sie wurden als eine Art Männerritual gesehen, nicht als Familienfeier.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Brauch in Westdeutschland immer beliebter – auch durch Werbung und Unterstützung aus dem Handel. Bis heute geht es beim Vatertag in Deutschland oft eher um Männergruppen, Bier und Ausflüge, weniger um die Rolle des Vaters in der Familie.


