Vielen ist er für seine Kabarettprogramme, Social-Media-Videos, Podcast-Folgen und persönlichen Bücher bekannt. Jetzt schrieb Michael Buchinger seinen ersten Krimi – und landete damit eine Punktlandung!
Was gibt es Besseres, als sich an kalten Abenden mit einem Buch auf der Couch einzukuscheln? Damit man sich dabei so richtig entspannen kann, sollte die Lektüre am besten nicht zu kompliziert sein und sofort in ihren Bann ziehen. Da kommt Michael Buchingers erster Krimi “Bella Barks’ letztes Like” gerade recht.
Der 208 Seiten dicke Kriminalroman handelt vom 29-jährigen YouTuber Leo Escher, dessen beruflichen Erfolge bereits lange zurückliegen. Er hat es nicht geschafft, auf den TikTok-Zug aufzuspringen und fühlt sich – kurz zusammengefasst – ziemlich lost. Da wird er unerwartet von der erfolgreichen Petfluencerin Bella Barks zu einem Influencer-Event in ein Berghotel eingeladen. Dort will sie ihr neuestes Produkt präsentieren: das erste Leckerli für Mensch und Hund. Doch alles kommt anders als geplant. Nachdem Bella sich mit einer rätselhaften Bitte an Leo wendet, stirbt sie plötzlich und Leo wird unverhofft zum Detektiv.
Bildhafte Beschreibungen mit Personality
Michael Buchinger schrieb bisher eher kurzweilige Bücher mit persönlichem Touch. In “Hasst du noch alle?!” (Heyne 2021) widmete er seinen beliebten Hasslisten ein eigenes Buch. 2024 erschien außerdem “Buchingers Kochbuch” (Brandstätter Verlag). Nun hat sich der 33-Jährige an seinen ersten Kriminalroman gewagt. Und das ist ihm absolut gelungen.
Mit Leo Escher schafft Buchinger eine Hauptfigur, die gerne analysiert, kein Blatt vor den Mund nimmt – zumindest nicht in seinen Gedanken und mir die meiste Zeit über relativ sympathisch ist. Berufstechnisch ist Leo frustriert. Früher war er “Newcomer des Jahres” oder “Hottester YouTuber”. Heute ist er nahezu unbekannt in einer Branche, in der alle mit ihren (vermeintlichen) Erfolgen angeben. Mit Gelegenheitsjobs hält er sich irgendwie über Wasser. Er macht zum Beispiel Werbung für einen Trampolinpark, um dann dabei einen Arbeitsunfall der übelsten Sorte zu erleben:
Wie vereinbart wollte er die Werbebotschaft nachschicken. »Im Trampolinpark Oberlustendorf.« Doch da fuhr ihm der scharfe Geruch von Käsefüßen ins Hirn. Im Bruchteil einer Sekunde begriff er, dass die Füße seinem Gesicht immer näherkamen. Mit Entsetzen stellte er fest, was sich am anderen Ende befand, der Rest eines Jungen, der die Statistiken zum Thema Übergewicht bei Pflichtschülern bereicherte. Ein hässliches Krachen, und seine Wahrnehmungsorgane stellten den Betrieb ein.
In solchen Momenten verwandeln sich die Sätze auf dem Blatt Papier zu einer Sitcom im Kopf. Man findet ohne große Anstrengung in die Handlung. Dabei hilft es, dass die einzelnen Charaktere und Schauplätze sehr detailliert beschrieben werden. Zwischendurch eingestreute Social-Media-Postings und Podcast-Skripte machen die Lektüre dynamisch und abwechslungsreich.

Kein Krimifan? Kein Problem!
Darüber hinaus ist es auch ein sehr spannender Krimi: Das Ende hätte ich so niemals kommen sehen. Ich persönlich lese kaum bis gar keine Bücher aus diesem Genre. Oft finde ich den Einstieg holprig, die Geschichte langatmig und habe schon vor der Hälfte keine Lust mehr, weiterzulesen. Buchingers neuer Wurf tanzt meiner negativen Erwartungshaltung gegenüber Kriminalromanen allerdings gehörig auf der Nase herum. Er ist humorvoll, quirky und nimmt sich selbst nicht zu ernst.
Das ist auch insofern lustig, weil Buchinger selbst in der Influencerwelt unterwegs ist und sein Werk auf seiner Website als “vielleicht ein kleines bisschen autobiografisch” beschreibt. Was seinen eigenen Erlebnissen entsprechen könnte und was nicht, kann man nur raten. Man darf sich aber auf jeden Fall auf bissige Stellen wie diese freuen:
Der Mann in den Slim-Fit-Jeans und dem weißen Hugo-Boss-Hemd, mit den gewaltsam zurückgegelten Haaren und der Sonnenbrille im Ausschnitt war Klaus, Bellas Manager. (…) »Leo, schön, dich zu sehen.« Klaus lächelte. »Auf YouTube bekomme ich ja nichts mehr von dir mit.« »Muss am Algorithmus liegen«, sagte Leo knapp. Oder an deiner Aufmerksamkeitsspanne, hätte er am liebsten hinzugefügt. Aber er wollte nicht aus dem Hotel fliegen, ehe er genug Gratisdrinks intus hatte, um die Anreise zu rechtfertigen.
Mein Fazit
Ich habe das Buch in einem Schluck verschlungen und oft gelacht. Zum Beispiel über den Namen des Fitfluencers “Chris Cardio” oder über die schlecht erzogenen Hunde der Petfluencerin Bella Barks, die in der Nobelsuite des Hotels schnell ihr “Eau de Urin” versprühen. Ob sich eingefleischte Krimi-Fans genauso gut abgeholt fühlen wie ich, kann ich aber nicht sagen.
“Bella Barks’ letztes Like” kann man schnell weg-snacken. Das Buch holt mit flüssigem und lockerem Schreibstil auch verlässlich aus einer Leseflaute. Also: Großes Like für Bella Barks!
Bella Barks’ letztes Like, Michael Buchinger, edition a 2025, 208 Seiten, 23€


