3 Vermutungen, warum der ESC in anderen Ländern einen größeren Stellenwert hat, als in Österreich

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ESC-Vorentscheid kann auch richtig geil sein. Schweden zeigt, wie’s geht.

Österreich und sein ESC-Vorentscheid führen eine klassische On-off-Beziehung. Mal gibt es ihn, mal nicht. Und wenn doch, bleibt der große Hype meist aus. Etwas, das man von Schweden und seinem Melodifestivalen definitiv nicht behaupten kann. 

Seit der ersten schwedischen Teilnahme am Eurovision Song Contest im Jahr 1958 veranstaltet der öffentlich-rechtliche Rundfunk SVT jährlich einen mehrwöchigen Vorentscheid, und das mit enormem Erfolg. Das Finale des Melodifestivalen 2025 verfolgten rund 3,1 Millionen Menschen (bei etwa 10,5 Millionen Einwohner*innen). Zum Vergleich: Das Finale des letzten österreichischen Vorentscheids im Jahr 2016 erreichte nur etwa 515.000 Zuschauer*innen. 

Schweden weiß also nicht nur, wie man einen guten Vorentscheid produziert, sondern auch, wie man den ESC gewinnt. Insgesamt sieben Mal holte das Land bereits den Sieg und teilt sich damit den Titel des erfolgreichsten ESC-Landes mit Irland. Doch woran liegt das?

Vermutung 1: Hoher Stellenwert musikalischer Bildung

Kulturelle Förderung beginnt in Schweden früh. In sogenannten Kulturskolan können Kinder und Jugendliche kostenlos oder sehr günstig Kurse in Musik, Tanz, Theater oder Medien besuchen. Diese Schulen werden staatlich unterstützt, orientieren sich an der UN-Kinderrechtskonvention und sollen kulturelle Teilhabe unabhängig vom Einkommen ermöglichen. Jährlich erreichen sie fast 200.000 junge Menschen und sind in nahezu allen Gemeinden vertreten.

Kurz gesagt: Wer Talent und Interesse hat, bekommt früh die Chance, es zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Vermutung 2: Schwed*innen lieben Musik – wirklich

Ein Blick ins schwedische Fernsehen genügt, um zu erkennen, welchen Stellenwert Musik dort hat. Seit 1990 läuft zur besten Sendezeit “Allsång på Skansen”, eine riesige Mitsing-Show unter freiem Himmel, die regelmäßig Millionen begeistert.

Auch Formate wie “Så mycket bättre” (vergleichbar mit “Sing meinen Song”)  gehören zu den Quotenhits. Dazu kommen das sechswöchige Melodifestivalen und natürlich der Eurovision selbst. Ihrer ESC-Liebe widmeten die Schwed*innen 2024 sogar einen eigenen Song im zweiten Semifinale. 

Musik ist in Schweden kein Nischeninteresse, sie ist Teil der Popkultur.

Vermutung 3: Schweden hat Popmusik durchgespielt

Die Zeile “They just love Swedish music too much” trifft einen wahren Kern. Denn Schweden ist, neben den USA und Großbritannien, eines der wichtigsten Exportländer für Popmusik weltweit. 

ABBA, Avicii, Zara Larsson, Roxette oder Produzentenlegende Max Martin, der vermutlich auch deinen Lieblingssong aus den 90ern mitgeschrieben hat: Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Schwedischer Pop ist internationaler Standard, und genau dieses Know-how fließt auch in den ESC ein.

Mein Fazit

Ich kann jedem nur empfehlen, einmal in das Melodifestivalen hineinzuschauen. Besonders spannend finde ich, dass vor jedem Auftritt auch die Produzent*innen der Songs vorgestellt werden. Ein schönes Zeichen dafür, wie sehr das Songwriting wertgeschätzt wird.

Selbst wenn es vereinzelt Sprachbarrieren geben mag: Die Show ist extrem unterhaltsam, hochwertig produziert und auf einem Niveau, das man sonst eher von großen US- oder UK-Formaten kennt. 

Kurz gesagt: Ein Vorentscheid kann richtig Spaß machen. Schweden beweist es jedes Jahr aufs Neue.

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