Zwischen Satire, knallharter Gesellschaftskritik und Hoffnung ** Lily Ringler im Interview

Blogheader Interview Lily Ringler (c) Studio Brauneis

Wart ihr schon einmal arbeitslos und beim AMS gemeldet? Dann werdet ihr euch in vielen Momenten in dem neuen Film „AMS – Arbeit Muss Sein“ wiederfinden. Tabea hat Drehbuchautorin Lily Ringler interviewt. Der Film gibt Hoffnung, zeigt aber gleichzeitig knallharte Gesellschaftskritik.

Ende März feierte der österreichische Spielfilm auf der Diagonale in Graz seine Weltpremiere. Regisseur Sebastian Brauneis erzählt in seiner AMS-Satire von den Hürden des Wiedereinstiegs ins Berufsleben – und davon, wie schnell man im System untergehen kann. Als Marie (Margarethe Tiesel) mit 58 Jahren altersarbeitslos wird, findet sie keinen Weg zurück in die Arbeitswelt und verliert sich in der AMS-Bürokratie. Ähnlich geht es Mahdiya (Mariam Hage), die als Frau mit Migrationsgeschichte Polizistin werden will und dabei immer wieder an Wände stößt. Gemeinsam schließen sie sich mit anderen Arbeitslosen zum „Dreckigen Dutzend“ zusammen, um den Arbeitsmarkt zurückzuerobern.

Witz und Gesellschaftskritik

Zwischen Offbeat-Musical, innovativen Elementen und viel Witz wird eine ganze Menge Gesellschaftskritik angebracht. „Ich kenne viele Leute, die schlechte Erfahrungen mit dem AMS gemacht haben. Aus dieser Ohnmacht heraus wollte ich einen Film machen“, erzählt Brauneis beim Publikumsgespräch nach der Premiere und kritisiert dabei die neue AMS-Zuverdienstgrenze. 

Tabea konnte eines der begehrten Restplatztickets ergattern. Vor der Diagonale hätte sie nie gedacht, dass sie sich für ein Kinoticket eine Stunde anstellen würde – und hat den Film für euch angeschaut! Das Kurzinterview mit der Drehbuchautorin Lily Ringler ist im Anschluss entstanden. Es geht um den Entstehungsprozess, Challenges und warum der Film Hoffnung gibt. 

Der Spielfilm AMS / Arbeit muss sein gibt Einblicke in den Alltag vieler. (c) Studio Brauneis
Der Spielfilm AMS / Arbeit muss sein gibt Einblicke in den Alltag vieler. (c) Studio Brauneis

Die Kunst und das AMS

Wie ist die Idee für den Film „AMS – Arbeit Muss Sein“ entstanden?

Lily Ringler: Die Idee hatte ursprünglich Sebastian, weil er in der Pandemie befürchtet hat, seine Filmproduktionsfirma nicht mehr betreiben zu können. Deshalb ist er mit dem AMS in Kontakt getreten, um herauszufinden, was jetzt mit ihm passiert. Aus dieser Situation heraus macht man dann eben Kunst – und einen Film darüber – weil es für Künstler*innen am AMS besonders schwierig ist. Sebastian hat mir die Grundidee gepitcht, wir haben uns kennengelernt, und er meinte: „Hey, magst du mitschreiben?“ Ich war sofort dabei, ich war sofort begeistert!

Was hat dich an der Filmidee am meisten gereizt?

Lily Ringler: Dass es ein Film ist, der Probleme zeigt, ohne auf die Betroffenen herabzuschauen. Das war uns beiden von Anfang an extrem wichtig. Dass es ein Film ist, der mit den Menschen mitgeht und sie nicht bloßstellt. Er gibt Hoffnung und zeigt: Das sind ganz normale Leute, wie du und ich, die Hoffnung haben und nicht aufgeben.

Ein Film auf Augenhöhe

Was waren die größten Challenges beim Drehbuch-Schreiben?

Lily Ringler: Es war extrem schwierig, einen Weg zu finden, alles unterzubringen, was wir erzählen wollten, ohne dass der Film drei Stunden dauert. Wir haben uns damit geholfen, einen Extraordner in unserem Online-Drive anzulegen – „AMS: die Serie“. Da sind all die Ideen drin, die es nicht in den Film geschafft haben. In der Hoffnung, dass sie vielleicht irgendwann auch das Licht der Welt erblicken. ORF, I’m talking to you.

Worauf bist du beim fertigen Film besonders stolz?

Lily Ringler: Auf ganz vieles. Auf das gesamte Team – vor und hinter der Kamera. Auf alle, die uns unterstützt haben. Sogar meine Eltern sind im Film zu sehen und sind als Arbeitssuchende immer wieder durch das Bild gehuscht. Ich bin sehr stolz, dass sie mich bei dieser irrsinnigen Idee, einen Film zu machen, unterstützt haben. Und ich bin stolz darauf, dass wir jede schwierige Situation gemeistert haben und uns durch nichts unterkriegen haben lassen. Wie unsere Heroes hatten auch wir Schwierigkeiten, das Geld zu bekommen, das wir gebraucht haben – und trotzdem haben wir es geschafft. Dass der Film jetzt existiert, ist einfach unglaublich. Es ist ur geil!

INFOBOX: „AMS – Arbeit Muss Sein“ feierte am 21. März auf der Diagonale in Graz seine Weltpremiere. Die AMS-Satire ist am 1. Mai im Gartenbaukino zu sehen und kommt ab Oktober regulär in die österreichischen Kinos – „wenn die Menschen aus dem Urlaub wieder zurück ins AMS kommen“, so Brauneis.

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