Ein Festabend in der Wiener Hofburg macht deutlich, worum es bei Kultur wirklich geht – und wer sie braucht.
„Wo Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind, kann Kultur gar nicht erst ankommen.” – Sri Madhusudan Sai, Gründer von “One World, One Family”
Ein riesiger Saal, goldenes Licht, Menschen aus aller Welt – und mittendrin ein Schülerorchester aus Indien, das den Abend mit Musik füllt. Der Festakt zur Eröffnung des One World One Family Festival Vienna in der Wiener Hofburg war mehr als eine glanzvolle Veranstaltung: Er war ein Wunsch für eine bessere Welt (so kitschig das klingt).
Was ist One World One Family? Die One World One Family Mission ist eine internationale humanitäre Initiative, die in über 100 Ländern aktiv ist. Ihr Gründer Sri Madhusudan Sai aus Indien hat sie mit einem klaren Ziel aufgebaut: kostenlose Bildung, Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherheit für Millionen Menschen zu schaffen. Dabei will er zeigen, dass die Welt, so verschieden sie auch ist, eine Familie sein kann. 2026 kam das Festival nun erstmals nach Wien.

Ein Abend voller Auszeichnungen
Den Auftakt bildete die Verleihung der One World One Family Changemaker Awards. Geehrt wurden Organisationen aus Bildung, Gesundheit, Sozialwesen, Ernährung und Kunst & Kultur. Die Jury war international besetzt mit Personen, die man sonst vielleicht nicht so am Schirm hat (Achtung, viel Name-dropping): I.K.H. Kronprinzessin Katherine von Serbien, Bahaa Eddine Sarroukh (Head of Philips Foundation), Dipl.-Ing.in Shams Asadi (Menschenrechtsbeauftragte der Stadt Wien), Laura Biancalani (CEO der Andrea Bocelli Foundation), Klaus Schwertner (Caritasdirektor der Caritas Wien) und Jill Wilkinson (Geschäftsführerin des The Hague Humanity Hub). Moderiert wurde der Abend von Geigerin Lidia Baich.
Die drei Preisträger-Projekte in der Kategorie Kunst & Kultur zeigen auch die Bedeutung der Kulturbranche, wenn wir über Chancengleichheit sprechen. DOREMI – The Open Music Project stellt frei zugängliche Flügel im öffentlichen Raum auf und betreibt in Wien eine Musikschule nach dem Prinzip „Zahl so viel du kannst“. MAX & LARA der CAPE 10 Foundation ermöglicht Kindern aus armutsgefährdeten Familien den Zugang zu Kultur, Sport und Freizeit. Und Hilfstöne – Musik für Menschen in Not sammelt durch Benefizkonzerte Geld für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Alle drei haben eines gemeinsam: Sie bringen Kultur dorthin, wo sie gebraucht wird. Nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit.
Knister*Wissen: Was ist ein Changemaker? Der Begriff „Changemaker“ – jemand, der Veränderung schafft – bezeichnet Menschen oder Organisationen, die soziale Probleme aktiv und nachhaltig angehen. Ein Changemaker wartet nicht darauf, dass andere Lösungen finden, sondern wird selbst aktiv.
„Gen Z trägt dieselben Werte in sich“
Vor der Gala habe ich mit Gründer Sri Madhusudan Sai gesprochen. Die Frage, ob junge Menschen noch an Kultur interessiert sind – in Österreich durchgehend Thema, wenn Konzerthäuser über leere Reihen klagen – beantwortet er klar:
„Kultur erfindet sich mit jeder Generation neu. Junge Menschen tragen dieselben Werte in sich – Fürsorge, Mitgefühl, Menschlichkeit. Sie drücken sie nur anders aus. Das macht sie nicht kulturlos.“
Für ihn geht Kultur tiefer als Stilfrage. „Kultur ist im Kern Fürsorge füreinander. Wenn wir füreinander da sind – das ist die eigentliche Essenz.” Und wer glaubt, kulturelle Teilhabe sei selbstverständlich, den erinnert er an das Wesentliche: Wo Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind, kann Kultur gar nicht erst ankommen. Genau deshalb denkt die OWOF Mission Bildung, Gesundheit und Kunst zusammen.

Musik ohne Grenzen – buchstäblich
Den musikalischen Rahmen des Abends gestaltete das Sai Symphony Orchestra, ein Ensemble aus sozial benachteiligten Schüler*innen aus Indien, gemeinsam mit dem Geiger L. Subramaniam und der Bollywood-Sängerin Kavita Krishnamurti.
Kurz zuvor hatten diese Musiker*innen in der Kulturhaus Brotfabrik erstmals junge Wiener*innen von Superar (Musikförderung für jedes Kind) getroffen. Aus dieser Begegnung entstand mehr als ein Konzert: Das Festival markiert den Auftakt einer Zusammenarbeit zwischen One World One Family Mission, Superar und der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK).
Von 9. bis 12. Juni finden im Stadtpalais Liechtenstein die Educational Days statt: kostenlose, interaktive Begegnungen mit Expert*innen und Künstler*innen aus neun Ländern – von Serbien über Japan bis Tunesien. Den Abschluss bildet ein Konzert des Chorus Primus der Wiener Sängerknaben mit dem Superar-Kammerorchester und Studierenderen der MUK.


