Das Stück “Mythen des Alltags” dreht sich um Geschichten aus aller Welt, mit einer Gemeinsamkeit: die Erzähler*innen wohnen in Wien. Sie wurden in einem Interview gefragt, ob es ein Ereignis in ihrem Leben gibt, das sie gerne auf der Bühne sehen wollen. And these are their stories.
Die Inhalte des Stücks “Mythen des Alltags” im Volkstheater reichen von banalen, alltäglichen Erlebnissen bis hin zu sehr tiefgreifenden emotionalen Situationen: der Postbote nennt eine Frau in ihren 50ern eine „ältere Dame“, obwohl sie sich doch so jung und beschwingt fühlt! Ein junger Mann berichtet von seiner steilen, aber leider sehr kurzen Musikkarriere.
Erzählt wird aber auch die berührende Geschichte einer Studentin, die mit einem befreundeten Dokumentarfilmer nach Kiew reist, um ihrer Mutter die Bücher zurückzuholen, die diese auf der Flucht dort zurücklassen musste.

Alle diese Menschen (es waren an die 100!) wurden im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Volkstheater und dem Institut für Soziologie der Universität Wien interviewt, weil sie auf die eine oder andere Art und Weise Wien repräsentieren.
Ihr Name, Alter und der jeweilige Wohnbezirk werden auf die Bühne projiziert, während die Schauspieler*innen – das sind Bernardo Arias Porras, Aleksandra Ćorović, Nancy Mensah-Offei, Paula Nocker, Vinzenz Sommer, Karoline Marie Reinke, Günther Wiederschwinger, Johanna Wokalek – ihre Geschichten zum Leben erwecken.
Reproduktion von Wirklichkeit
Von der ersten Minute an ist es sehr unterhaltsam, den Texten zu lauschen. Diese werden teilweise vorgelesen oder nachgespielt. In beiden Fällen füllen die Schauspieler*innen die Interviews mit so viel Leben, dass man nicht anders kann, als sich emotional in die Situationen einzufühlen.

Ein schöner Handgriff des Textes ist, dass ab und zu auch die Interviews-Szenerie selbst aufgegriffen wird. So werden auch die (Rück-)Fragen der Interviewer*innen integriert.
Aufgeführt wird nicht nur das, was die Interviewten gerne gesehen hätten, sondern auch, wie sie in der Interview-Situation ihre Geschichten beschreiben. Man bekommt also nicht nur die beschriebenen Erlebnisse erzählt, sondern ist sozusagen gleichzeitig Zuhörer*in beim Interview.
Das ist ein wichtiger Punkt für die Inszenierung, denn es geht auch darum: was wird hier wiedergegeben? Denn eine richtig „echte“ Wiedergabe einer fremden Aussage ist ja gar nicht möglich. Sie wird immer anders als die ursprüngliche Version sein.
Kunstvolle Bühne
So startet die Bühne auch als Spiegelung des Zuschauer*innenraumes. Wie das Publikum lauschen auch die Bühnenbewohner*innen dem Geschehen. Wir hören internationale Wiener Alltagsgeschichten, die gar nicht so alltäglich sind. Aber durch die Zurschaustellung auf der Bühne erhalten sie etwas Künstlerisches, sie werden zum Mythos.
Mit dem Text wandelt sich auch die Bühne und wird zu einer großen, weißen Landschaft. Diese bietet den Schauspieler*innen und Kompars*innen sehr viel Raum, um die Mythen auch zu entfalten. Und das ist einfach nur umwerfend zu sehen!


