Von Menstruation bis Catcalling, von Selbstoptimierung bis Konsumwahn: Die Schauspielerin und Kabarettistin AnnPhie Fritz übt ihre Kritik schonungslos, aber soft verpackt.
„AnnPhie Fritz verbindet feministische Perspektiven mit politischer Gesellschaftskritik – mal leicht, mal ernst, immer mit klarer Körpersprache und klug gesetzten Pointen.“ So lautet die Jurybegründung zum silbernen Stuttgarter Besen, den die Theatermacherin, Schauspielerin und Kabarettistin im heurigen März gewonnen hat. Wer ihr erstes Programm „Shanti Schatzi“ gesehen hat, kann dem nur zustimmen.
Die Künstlerin holt weit aus mit der feministischen Moralkeule – aber immer mit einem sanften Lächeln im Gesicht. AnnPhie Fritz übt knallharte Gesellschaftskritik und prangert strukturellen Sexismus an – aber so soft verpackt, dass der Schmerz erst nach und nach einsickert, das aber nachhaltig.
Sie spricht offen über Menstruation und Endometriose, nimmt Selbstoptimierung und Sexualisierung aufs Korn, lässt Öko-Aktivismus und Konsumwahn aufeinanderprallen. Und ja, sie spricht dabei mit ihrem ganzen Körper, und wie! Das wird vor allem im zweiten Teil des Abends deutlich, nachdem sie schon in der ersten Hälfte während ihrer Ausführungen auf der Yogamatte vorgeturnt hat.

Es liegt nicht an den Frauen
AnnPhie Fritz bringt das volle Frau-Sein auf die Bühne, mit all seinen Konsequenzen und Nebenwirkungen, derer nicht nur sie schon müde ist (daher auch der Untertitel des Programms: „Weiß gar nicht, warum ich immer so müde bin“).
Vor allem, weil es ja gar nicht die Frauen selbst sind, die so nervige Sachen wie Catcalling und so schlimme Dinge wie psychische oder physische Gewalt provozieren. Sondern es sind die Männer, die ihnen diese Dinge eigentlich grundlos antun. Dagegen geht die Künstlerin auf ihre Weise an und schöpft alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel voll aus.


