In seinem neuen Soloprogramm „Maximo Lieder“ zeigt Christof Spörk einmal mehr, wie viel Spaß es ihm macht, ernste politische Themen in unterhaltsame Songs zu verpacken.
Es war im Jahr 2001, da gründete ein gewisser Christof Spörk ein Bühnenprojekt mit dem Titel „Maximo Lieder“. Die Anspielung auf den kubanischen „Máximo Líder“ Fidel Castro war wenig überraschend. Immerhin hat der damals junge Politologe kurz davor seine Dissertation zu „Musik & Politik in Kuba 1959 bis 1999“ geschrieben und sich dabei in eine Kubanerin verliebt.
25 Jahre später ist Spörk zwar immer noch studierter Politologe, aber mittlerweile im Hauptberuf erfolgreicher Musikkabarettist. Und zum Jubiläum greift er den alten Titel „Maximo Lieder“ für sein neues Soloprogramm wieder auf. Allerdings stellt er gleich zu Beginn klar, dass der längst verstorbene Fidel Castro diesmal überhaupt keine Rolle spielen wird. „Maximo Lieder“ bezieht sich diesmal vielmehr auf das, was diesen beiden Worte einfach bedeuten: Spörk holt musikalisch das Maximum heraus, mit einem Sammelsurium der besten Lieder, die ihm in den vergangenen Monaten eingefallen sind.

Ein scharfer Beobachter unserer Gesellschaft
Ganz ohne fragwürdige Führer geht es aber nicht. Denn der Künstler ist zu sehr Politologe, um an Donald Trump, Viktor Orban oder Wladimir Putin vorbeizukommen. Kabarett darf und soll politisch sein, aber eben mit einer Prise Ironie. Spörk greift hier allerdings nicht zum Salzstreuer, sondern zur Suppenkelle. Er zeigt an Harmonika, Keyboard und Klarinette, dass er nicht nur ein begnadeter Musiker ist, sondern auch höchst unterhaltsame Texte schreiben kann, die ernste Themen leichter transportieren.
Dabei erweist er sich einmal mehr als scharfer und bisweilen zynischer Beobachter unserer Gesellschaft, der es eigentlich so gut geht wie nie zuvor. Das findet zumindest Spörk, der allen, die trotzdem jammern, von seiner 1901 geborenen Großmutter erzählt: Sie hat zwei Weltkriege überlebt, aber das Wort „sudern“ nicht einmal gekannt. Klar, es gibt genügend Ärgernisse, über die man sich aufregen kann: depperte Leute, anstrengende Beziehungen, zeitfressende Rabbit Holes, falsch eingesetzter Hausverstand, Antifeministen, Volkskanzler, EU-Gegner, Schlechtmenschen (für die „Gutmensch“ ein Schimpfwort ist), aussperrende Zäune. Aber wenn Spörk daraus ein Lied macht, noch dazu mit seinem als Stilmittel gekonnt eingesetzten steirischen Zungenschlag, wird es gleich erträglicher.
Begeistert wie ein kleines Kind
Ein Musikstück jagt dabei das nächste. Und im Laufe des Abends wird immer stärker sichtbar, wie viel Spaß ihm das Spielen macht – und zwar das verspielte Spielen. Wie ein kleines Kind, das unter dem Christbaum sein langersehntes neues Lieblingsspielzeug entdeckt hat, wechselt er von einem Instrument zum anderen und hüpft auch musikalisch von einem Stil zum nächsten. Hier ein Blues, da ein Marsch, dann wieder eine Nummer im Fünfvierteltakt, eine Polka, ein Popsong, ein Landler, eine Jazz-Einlage. Und das Publikum kann gar nicht anders als im Takt mitklatschen. In der zweiten Halbzeit setzt er nochmal eins drauf und packt die Loop-Maschine aus, mit der er Keyboard und Klarinette alleine weiterspielen lässt, während er über das Ganze drüber improvisiert. Das Publikum belohnt es mit Standing Ovations am Ende der Wien-Premiere von „Maximo Lieder“.
Christof Spörk wurde 1972 in Voitsberg (Steiermark) geboren. Nach der Matura studierte er Politikwissenschaften (seine Diplomarbeit schrieb er zu Chile, seine Dissertation zu Kuba) und gründete nebenbei 1992 die Band „Die Steirische Landstreich“. Nach einem kurzen Ausflug in den Journalismus ist er seit Anfang der 2000er-Jahre hauptberuflicher und mehrfach ausgezeichneter Musikkaberettist. „Maximo Lieder“ ist sein bereits achtes Kabarettprogramm. Alle Infos hier.


