Rassismus, Antisemitismus, Terrorangst und noch viele weitere Themen bereitet Abdelkarim in seinem neuen Programm „Plan Z“ so auf, dass man gleichzeitig darüber lachen und nachdenken muss.
„Wir klären am Ende, was es war“, sagt Abdelkarim zu Beginn seines Wien-Gastspiels mit dem neuen Programm „Plan Z – Jetzt will er’s wissen!“. „Wenn ihr viel gelacht habt, war es Comedy. Wenn nicht, war es Kabarett zum Nachdenken.“ Nun, am Ende dieses zweistündigen Abends lautet das Fazit: Wir haben viel gelacht. Wir haben aber auch viel Stoff zum Nachdenken bekommen. Aber letztlich ist es auch egal, ob es nun Kabarett oder Comedy ist, was der „Deutsche mit Abschiebeoptik“ (so Abdelkarims Selbstbeschreibung) auf die Bühne bringt, solange es verstanden wird.
Und das wird es. Denn der 1981 in Bielefeld geborene Sohn marokkanischer Einwanderer*innen weiß, wo und wie er seine Fans abholen muss. Da sind die ständigen Anspielungen auf sein arabisches Äußeres, die zeigen, wie tief Alltagsrassismus in unserer Gesellschaft immer noch verankert ist. Ist es übrigens Zufall, dass der Wiener Stadtsaal ausgerechnet den Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März als Datum für die Österreich-Premiere von „Plan Z“ gewählt hat? Wer weiß.
„Ein alter weißer Mann mit südländischem Teint“
Aber nicht nur Rassismus, auch Homophobie, Antisemitismus und Terrorangst tauchen immer wieder in diesem Programm auf, um von Abdelkarim satirisch aufbereitet zu werden. Von Friseurbesuchen bis Gendern, von Instagram bis Dönerladen, von Macho bis Polizistin, von Bahn bis Fußball, von Übergewicht bis Jugendsprache, vom urdeutschen Nachbarn bis zur großen Weltpolitik: Nichts und niemand ist vor ihm sicher.
Und wenn Abdelkarim zwischendurch bekennt, dass er selbst eigentlich auch ein „alter weißer Mann ist, nur halt mit südländischem Teint“, der bei manchen Dingen einfach nicht mehr mitkommt, muss ich daran denken, dass er nur acht Tage älter ist als ich. Ich fühle mich allerdings oft nicht nur weißer, sondern auch noch älter.
Ja, er hält seinem Publikum den Spiegel vor. Und für Österreich hat er ihn rot-weiß-rot eingerahmt. Der scharfe Beobachter spielt hier nicht einfach sein auswendig gelerntes Programm ab, sondern geht auf das hiesige Publikum ein. Einen Abend lang gibt er uns das Gefühl, all die Anekdoten aus dem Zusammenleben von In- und Ausländer*innen nur für uns zusammengetragen und sorgsam sortiert zu haben. Dass wir einiges schon in früheren Programmen gehört haben, stört eigentlich nicht. Im Gegenteil, es schafft diese kleinen „Achtung, jetzt kommt’s“-Momente, in denen man mit Freude den Gag vorausahnen darf.

Über sich (und alle) lachen? Unbedingt!
Dabei wird immer wieder deutlich: Abdelkarim nimmt sich selbst nicht allzu ernst, dafür aber viele wichtige Dinge umso mehr. Und trotzdem bringt er stets eine gewisse Lockerheit rein.
Befreit auflachen und gleichzeitig über die vielen Fehler unserer Gesellschaft nachgrübeln – das geht sich bei ihm aus. Und während auf der Bühne kulturelle Brücken gebaut werden, weil er beide Seiten versteht, zerkugeln sich manche im Publikum zwei Stunden lang über seinen Humor.


