Zeit ist Geld ist ESC: Wie viel ist mir der ESC Wert? ** The Secret Heroes of Eurovision

Blogheader ESC Universum © EBUCorinne Cumming

Wie Eurovision Fans ihre Zeit und ihr Geld investieren.

“Boah, so viel gibst du dafür aus?”, sagt die Person, die jedes Wochenende 200€ in einer Bar liegen lässt. “Das ist ja mega teuer!”, staunt die Person, die dreimal die Woche zum Reformer Pilates geht. “Soviel Zeit hätte ich gar nicht”, meint die Person, die gerade ihr fünftes Studium beginnt. Wir alle haben eine Leidenschaft, der wir, ob wir es merken oder nicht, viel Geld und/oder Zeit widmen. Wo Zeit und Geld eines Eurovision Fans hinfließen, habe ich mit Manu, Nico und Michael besprochen: Drei eingeschweißte ESC-Fans aus dem Vorstand der OGAE Austria, dem offiziellen Eurovision-Fanclub.

ESC ist Geld

Dass der Eurovision Song Contest kostet, ist wohl kein Geheimnis. Vor allem dann nicht, wenn der ESC mehr als nur ein einmaliges TV-Event ist. Beginnen wir bei den Shows selbst. Wer eine der insgesamt neun Shows besuchen möchte, zahlt in Wien zwischen 15€ für eine Nachmittagsshow und bis zu 360€ für einen Golden Circle Platz am Finalabend.

Knister*Wissen: Der ESC besteht aus drei Liveshows. Dem ersten Semifinale, dem zweiten Semifinale und dem Finale. Jede Liveshow wird von zwei Generalproben begleitet, die in Aufbau und Ablauf identisch sind, allerdings ohne offizielles Voting.

Findet der ESC nicht gerade in der eigenen Heimatstadt statt, kommen Reise- und Unterkunftskosten hinzu. Manu erzählt, dass sie für ihre Reise nach Liverpool 2023 allein für die Unterkunft, geteilt mit mehreren ESC-Freund*innen, mehrere hundert Euro bezahlen musste. Auch für Wien zeigt sich dieser Trend deutlich. Kurz nach der Verkündung Wiens als Austragungsort des ESC 2026 kostete ein Hotelzimmer auf booking.com für zwei Personen in einer beliebigen Märzwoche durchschnittlich 660€. In der tatsächlichen ESC-Woche lag der Preis bereits durchschnittlich bei rund 2.433€. 

Bei vielen Fans endet die Reise nicht beim Eurovision selbst. Auch nationale Vorentscheide wie das Melodifestivalen in Schweden oder das Benidorm Fest in Spanien werden von manchen Fans live vor Ort besucht.

ESC ist Hingabe

Fest steht: Wer den Eurovision Song Contest in all seinen Facetten erleben möchte, investiert nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit. Neben den Reisen ist es vor allem die organisatorische Arbeit im Fanclub, die enorme Ressourcen bindet. Michael erzählt von schlaflosen Nächten in der ESC-Woche, durch jede Menge Arbeit, in der man sich auch oft Urlaub vom “richtigen” Job nimmt, weil es viel zu organisieren und kommunizieren gibt. Trotz der Belastung überwiegt für ihn aber klar die positive Seite. Die aktive Mitarbeit und vor allem Zusammenarbeit mit seinen Kolleg*innen macht ihm deutlich mehr Freude als das bloße Zuschauen. Zwar gehe das “auf Kosten der Ruhe”, doch das permanente Mitdenken und Organisieren schaffe eine besondere Verbindung. 

“Daraus entstehen Freundschaften, die das Ganze auf ein neues Level heben.”

Am Ende der Woche stehe das Gefühl, nicht nur “passiver Zuschauer*in” gewesen zu sein, sondern den ESC aktiv mitgestaltet zu haben. Und genau das mache für ihn den Reiz aus.

ESC ist Gemeinschaft

Michael spricht damit einen Punkt an, den viele Fans, unabhängig vom Thema, nachvollziehen können: die Freundschaften, die durch gemeinsame Leidenschaft entstehen. Natürlich sind die Acts wichtig, doch was eine solche Erfahrung wirklich besonders macht, sind die Menschen, die sie mit einem teilen. Auch Manu erinnert sich an prägende Begegnungen: 

„Ich habe eine Gruppe von türkischen Fans kennengelernt, die, obwohl die Türkei nicht mehr beim ESC dabei ist, dem Song Contest jedes Jahr nachreisen. Ein Australier, der sich 2015 mittels Crowdfunding die Reise nach Wien ermöglicht hat. Und das sind so Gänsehaut-Momente für mich, wenn du hörst, was andere Menschen für diese Leidenschaft alles machen.”  

Als eingeschweißtes Fangirl diverser Artists kann ich diese Form der Hingabe zu hundert Prozent nachvollziehen. Ich verstehe, warum man seinem Fußballclub, Harry Styles oder eben auch dem Eurovision Song Contest einen großen Platz im Leben einräumt. Gleichzeitig ist es ein Privileg, einer Leidenschaft einen so hohen Stellenwert geben zu können. Vor allem finanziell. Heißt das im Umkehrschluss, dass man ein “weniger echter” Fan ist, nur weil man sich nicht leisten kann, auf zig Konzerte oder Events zu gehen? Ganz und gar nicht. Entscheidend ist, was man fühlt, wenn man seinen Artist erlebt, ob live vor Ort oder auf dem Bildschirm des eigenen Handys, spielt dabei keine Rolle. 

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