Asia has entered the Eurovision chat.
Seit ein paar Tagen ist klar, dass Asien seinen eigenen Eurovision Song Contest bekommt. Ursprünglich hatte ich vor, darüber einen kleinen Bericht zu schreiben, doch je mehr ich darüber lese, desto mehr Fragen kommen bei mir auf…
Eurovision Song Contest Asia
Wer dachte, dass mit Mitte Mai die ESC-Saison für dieses Jahr vorbei ist, hat sich gewaltig geirrt. Denn am 14. November 2026 findet der erste asiatische ESC in Bangkok, Thailand, statt.
Bis jetzt haben zehn Länder ihre Teilnahme bestätigt: Bangladesch, Bhutan, Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, die Philippinen, Südkorea, Vietnam und natürlich das Gastgeberland Thailand. Doch wie bereits auf der offiziellen Eurovision-Website angedeutet wurde, werden in den kommenden Monaten noch weitere Länder ihre Teilnahme verkünden.
Was ebenfalls schon feststeht: Jedes Land wird einen nationalen Vorentscheid austragen, in dem der oder die Finalist*in für das große Finale in Bangkok gekürt wird. Hinter dem Event stehen die European Broadcasting Union (EBU) sowie Voxovation, gemeinsam mit S20 Productions.
Voxovation
Das Unternehmen, gegründet im Jahr 2018, gibt an, „die weltweite Reichweite des legendären Eurovision Song Contests vergrößern“ zu wollen. Die EBU übertrug Voxovation die Formatrechte und seitdem arbeitet das Unternehmen an der Expansion des Events. Hinter Voxovation stehen, wie könnte es anders sein, alte weiße Männer, für die der ESC kein Neuland ist. Alle vier Gründer sind Schweden und haben bereits in unterschiedlichen Rollen am schwedischen Melodifestivalen mitgearbeitet; viele von ihnen waren zudem auch als Producer beim ESC tätig.
Die Expansion nach Asien ist nicht der erste Versuch des Unternehmens, das ESC-Fieber auf andere Kontinente auszuweiten. 2022 gab es bereits eine US-amerikanische Version des ESC – den „American Song Contest“. Moderiert wurde er von Kelly Clarkson und Snoop Dogg. Er sollte die musikalische Vielfalt der 50 US-Bundesstaaten widerspiegeln. An einer Fortsetzung wurde seitdem allerdings nicht weitergearbeitet. Stattdessen soll nun mit der asiatischen Version ein neuer Kontinent erschlossen werden.
Und glaubt man der Website, wird die Expansion nicht auf Asien beschränkt bleiben: Texte zu Versionen für Lateinamerika und die arabische Welt sind bereits online. Wie weit diese Expansionspläne tatsächlich fortgeschritten sind, ist jedoch nicht bekannt.

Was bleibt, sind Fragezeichen
Eine altbekannte Frage steht für viele ohnehin immer im Raum: „Warum ist dieses Land beim ESC, wenn es doch gar nicht in Europa liegt?“ Kurz gesagt: Die Teilnahme am ESC hat nichts mit Kontinentgrenzen zu tun, sondern damit, wer aktives Mitglied der EBU ist. Seit der Ankündigung des Eurovision Song Contest Asia und dem Wissen, dass offenbar auch lateinamerikanische und arabische Versionen geplant sind, frage ich mich allerdings: Warum erweitert man nicht einfach den originalen ESC?
Mir ist bewusst, dass die oben genannten asiatischen Länder nicht Teil der EBU sind. Aber andere Länder des asiatischen Kontinents, wie Aserbaidschan, Georgien oder Israel, sind es bereits und nehmen auch am Eurovision Song Contest teil. Heißt das demnach, dass diese Länder potenziell an beiden Contests teilnehmen könnten? Wo genau zieht man hier die Grenzen?
Dasselbe gilt für einen möglichen arabischen Ableger. Algerien, Ägypten, Jordanien, Libanon, Libyen, Tunesien und Marokko sind Teil der EBU und könnten theoretisch am ESC teilnehmen. Marokko tat dies sogar bereits im Jahr 1980, zog sich jedoch kurz darauf wieder zurück, unter anderem wegen der Teilnahme Israels. Aus demselben Grund entschied sich auch der Libanon im Jahr 2005 gegen eine Teilnahme. Wäre ein eigenes arabisches Format also eine Möglichkeit, diesen Konflikten rund um die Teilnahme Israels aus dem Weg zu gehen?
Mein Fazit
Grundsätzlich bin ich beim ESC immer der Meinung: the more, the merrier. Besonders das Eintauchen in so viele unterschiedliche Kulturen und Musikgenres, wenn auch nur für einen kurzen Moment, macht für mich den ESC aus.
Deshalb finde ich es auch spannend, dass nun weiter nach Asien expandiert wird. Das Einzige, was ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ganz verstehe, ist die klare Differenzierung und Grenzziehung. Ich freue mich auf die musikalische Vielfalt, die dadurch entstehen kann. Aber wie genau sich das alles langfristig zusammenfügen wird, ist für mich im Moment noch nicht ganz greifbar.


