Innerhalb der letzten fünfzig Jahre haben sich die Postcards des ESC vom Pausenfüller zum Kunstwerk entwickelt.
Wer den Eurovision Song Contest verfolgt, kennt sie: Die kurzen Einspielfilme zwischen den Auftritten, die sogenannten „Postcards“. Was heute als fester Bestandteil der Show gilt, begann einst als pragmatische Lösung und hat sich über Jahrzehnte zu einem kreativen Highlight entwickelt.
Die Anfänge: Praktischer Lückenfüller mit Charme
Die Geschichte der Postcards reicht zurück bis ins Jahr 1970. Damals wurden sie erstmals eingesetzt, um die vergleichsweise wenigen Beiträge des Wettbewerbs zu überbrücken. Schnell wurde jedoch klar: Diese kurzen Clips können mehr als nur Zeit füllen.
Mit zunehmender Größe der Show bekamen die Postcards eine wichtige organisatorische Funktion. Während sie auf den Bildschirmen liefen, arbeitete das Backstage-Team auf Hochtouren. Bühnenbilder wurden abgebaut, Requisiten gewechselt, Lichtstimmungen angepasst. Ohne diese Übergänge wäre der reibungslose Ablauf der Show kaum denkbar.
Wandel im Laufe der Jahrzehnte
Über die Jahre entwickelten sich die Postcards inhaltlich und stilistisch stark weiter. Oft zeigten sie Eindrücke aus dem Alltag im Gastgeberland, bekannte Sehenswürdigkeiten und Landschaften sowie die Künstler*innen. Manche Jahre setzten sogar auf Humor oder Selbstironie, etwa in den späten 70ern und 80ern, als Länder auf charmante Weise mit Klischees spielten.
Es gab aber auch Ausnahmen: 1978 verzichtete man komplett auf klassische Postcards und zeigte stattdessen Backstage-Aufnahmen. 1980 wiederum wurden die Acts von Sprecher*innen in ihrer jeweiligen Landessprache angekündigt; ein spannender, aber einmaliger Ansatz.
Inzwischen sind Postcards weit mehr als nur Übergänge. Sie sind ein integraler Bestandteil der Inszenierung und tragen maßgeblich zur Identität jedes Jahrgangs bei. Jede Host-City nutzt sie, um sich selbst zu präsentieren. Dabei geht es längst nicht mehr nur um schöne Bilder. Postcards erzählen Geschichten, schaffen Stimmungen und bauen eine Verbindung zwischen Publikum und Künstler*innen auf.
Wien 2026: Eine neue Dimension der Postcards
Für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien wird dieses Konzept noch einmal neu gedacht. Die Produktion übernimmt Gebhardt Productions, die ein besonders ambitioniertes visuelles Konzept entwickelt haben: Reale Drehorte in ganz Österreich werden mit Studioaufnahmen der Künstler*innen kombiniert und digital zu mehrschichtigen Erlebniswelten verschmolzen.
Die Dreharbeiten begannen bereits im Oktober. Bewusst früh, um Österreich in unterschiedlichen Jahreszeiten zeigen zu können. Dadurch entsteht ein vielseitiges Bild des Landes, das über klassische Tourismus-Darstellungen hinausgeht.
Das Ziel? Österreich nicht nur zu zeigen, sondern erlebbar zu machen. Ein charmantes Detail rundet das Konzept ab: Zu jeder Postcard wird eine reale, physische Postkarte produziert, die für das Publikum erhältlich ist. Das ist nicht nur ein schönes Souvenir, sondern auch eine Hommage an die Geschichte, denn die erste Postkarte der Welt wurde 1868 vom Österreicher Emanuel Herrmann erfunden.


