Beim ESC ist Tanzen erlaubt, aber ab jetzt offiziell nur mehr mit Tanzschein. Der 19-jährige Cosmó wird im Mai Österreich beim ESC in Wien vertreten und irgendwie… macht das voll Sinn.
Es ist Freitag, der 20.Februar, 23:15 Uhr. Cosmó wird zum Sieger des österreichischen ESC-Vorentscheids “Vienna Calling – Wer singt für Österreich?” gekürt. Von der Fachjury erhielt er insgesamt 10 Punkte, vom Publikum sogar die Höchstwertung von 12 Punkten.
Und wie könnte es im Land Österreich auch anders sein: Plötzlich haben alle und deren Oma eine Meinung dazu. Wer sich durch die Kommentarspalten diverser Instagram-Kanäle scrollt, findet neben Glückwünschen und Jubelschreien auch Aussagen wie: “Als Österreicher möchte ich mich dafür entschuldigen, dass wir so einen schlechten Song hinschicken… Der Rundfunk will anscheinend kein zweites Mal gewinnen.” Oder “Gratuliere jetzt schon mal zum letzten Platz.” Warum Cosmó mit seinem Song “Tanzschein”aber sehr wohl auf die ESC-Bühne gehört, schauen wir uns genauer an.
Generation Brainrot Songs
Ein Blick auf die ESC-Jahrgänge der letzten Jahre zeigt ein klares Muster: sinnbefreite, ironische Comedy-Songs mit Ohrwurm-Potenzial sind voll im Trend. Acts wie Tommy Cash mit “Espresso Macchiato”, Käärijä mit “Cha Cha Cha” oder KAJ mit “Bara Bada Bastu” haben zwar nicht alle gewonnen, aber sie sind im Gedächtnis geblieben. Warum? Weil sie sich selbst nicht zu ernst nehmen. Weil sie sich anfühlen wie ein kontrollierter Fiebertraum. Weil sie tanzbar sind und Melodien liefern, die man nicht mehr loswird.
Und das Wichtigste: Manche lieben sie, manche hassen aber alle haben eine Meinung dazu und reden darüber. Genau diese Polarisierung ist beim ESC kein Nachteil, sondern pures Kapital. Auch Cosmós „Tanzschein“ fällt in diese Kategorie. Der Song will kein hoch dramatisches Kunstwerk sein, er will unterhalten. Und das tut er.
Sympathie zählt
Seit Social Media den ESC maßgeblich mitgeprägt, insbesondere durch TikTok, ist eines klar geworden: Persönlichkeit verkaufen. Die Community will nicht nur einen Song, sie will einen Menschen dahinter. Authentizität, Humor und Nahbarkeit können mittlerweile genauso entscheidend sein wie eine starke Bühnenperformance. JJ und seine Beauty Blenders (Kandidatin aus Malta Miriana Conte, Kandidatin aus Dänemark Sissal und Kandidat aus Norwegen Kyle Alessandro) haben letztes Jahr in gemeinsamen TikTok Lives ihre Persönlichkeiten und vor allem ihre durch den ESC entstandene Freundschaft gezeigt, was in der Community wahnsinnig gut angekommen ist. Diese Sympathiepunkte haben JJ auch (neben einem unglaublichen Song) zum Sieg verholfen.
Und diese Sympathie trägt auch Cosmó in sich. Bei der Pressekonferenz nach seinem Sieg antwortete er auf die Frage, was es für ihn bedeutet, ein Land beim ESC zu vertreten mit “Also, ich sehs als zweiter Zivildienst.” und bringt damit den ganzen Raum zum Lachen. Gleichzeitig betonte er mehrfach, dass nicht nur er, sondern sein gesamtes Team gewonnen habe. Das wirkt bodenständig, sympathisch und reflektiert. Wenn er es schafft, diese Natürlichkeit auch auf Social Media zu transportieren und die Community an seiner Reise teilhaben zu lassen, stehen die Chancen gut, dass sich viele Zuschauer*innen nicht nur in den Song, sondern auch in ihn als Person verlieben.
Subtile Vorahnung
Als sich Wien damals mit dem Motto “Europe, shall we dance?” (Europa, sollen wir tanzen?) als Gastgeberstadt beworben hat, war Tanzen das verbindende Element. Nun tritt Österreich mit einem Song über das Tanzen an. Ein netter Zufall? Vielleicht. Ein symbolischer Kreis, der sich schließt? Definitiv. Und genau deshalb ist der 19-jährige Burgenländer eine stimmige Wahl für diesen Jahrgang. Ob er den Fluch des Gastgeberlandes brechen kann (Gastgeberländer werden oft letzter), sehen wir dann am 16. Mai.


