Wenn man derzeit das Grossraum Wien auf der Gumpendorfer Straße betritt, erwartet einen ein schlichter, weißer Raum, der karg mit Texten und Fotos geschmückt ist. Auf den Fotos sind insgesamt acht verschiedene Personen zu sehen. Sieht man sich um, blickt man jedem dieser acht Menschen tief in die Augen, die nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Geschichte für Beyond the Picture geteilt haben.
Vor zwei Jahren hat sich Kuratorin Theresa Augusta mit Fotografin Verena Bauer zusammengetan, um die Ausstellung auf die Beine zu stellen. Augusta wollte einen Ort schaffen, an dem mentale Gesundheit einen safe space findet. Das Thema soll kein Tabu sein, sondern ein Miteinander schaffen und „die Last, die durch psychische Probleme entstehen, verringern.“ Wie sagt man so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Niemand ist allein
„Mein Gott, dann ist es halt ein paar Tage so, dass du nicht aus dem Bett rauskommst“, erzählt zum Beispiel Cat in einem Interview. Und beim Durchlesen muss ich sagen: I feel seen. Auch ich hatte Wochen, in denen ich es kaum aus dem Bett schaffte oder mich ausgebrannt fühlte. Bei Beyond the Picture ist das nichts Merkwürdiges. Diese ganz „normalen“ Menschen, die man auf diesen Fotos sieht, tragen ihre eigenen Päckchen. Es zeigt: Das ist normal.
Der Schauraum ist ein einzelner, weiß gestrichener Raum. An den Wänden sind die Erzählungen und Fotos der Protagonist*innen angebracht. Auch wenn der Space bescheiden wirkt, gewinnt er durch die Geschichten jeder einzelnen Person an berührender Tiefe. Ich fühle mit den Personen mit und bewundere sie für ihren Mut, ihre Geschichten zu teilen.
Mehr Diversität
Trotzdem gibt es einen Kritikpunkt. Diesen nennt auch Fotografin Bauer bei der Vernissage: Die Personengruppe wirke eher homogen. Es fehlen People of Color, Menschen mit Behinderungen aber auch zum Beispiel ältere Personen. Doch bei der Suche hätten sich keine Menschen aus diesen Gruppen gefunden. Letzten Endes bleibt die mentale Gesundheit dann doch ein schambehaftetes Thema.Vielleicht ist Beyond the Picture aber auch einfach ein erster Anstoß, damit sich künftig auch mehr Menschen gesehen fühlen und sich trauen, ihre Gefühlswelt zu teilen. Und vielleicht wird eine zukünftige Ausstellung von Theresa Augusta noch facettenreicher. Dann können sich noch mehr Menschen in den Geschichten wiederfinden.



