Eine humorvolle Auseinandersetzung, warum es einfach verdammt hart ist, als Mutter auch nur irgendwas richtig zu machen.
Carolin Kebekus ist Mutter, Comedienne und Autorin. Sie gibt uns einen humoristischen und persönlichen Einblick in ihr ambivalentes Leben als Mutter. Ambivalent deshalb, da ihre Erwartungen und Sichtweisen nicht zu denen der Gesellschaft passen. Denn egal wie oder was man als Mutter macht, man macht es FALSCH. Dank Carolin werden wir Mütter gesehen und fühlen uns auf Anhieb verbunden.
Okay, und wer erlaubt dir jetzt zu arbeiten?
Wie schön haben wir Mütter uns das Mama-Sein nicht vorgestellt. Ganz idyllisch. Fernab von feindlichen Menschen, die uns gefühlt für unsere Existenz bekriegen wollen. Als Mutter hat man schon zuhause mit den neuen Lebensumständen und der neuen Verantwortung echt viel um die Ohren. Aber die Gesellschaft meint, dass man immer noch ein bisschen mehr Öl ins Feuer gießen kann.
Carolin Kebekus schildert ihre Erfahrungen. Von ständigen Fragen darüber, wann sie denn endlich Mutter werden wolle, dem Hate gegenüber ihrer Auftritte als schwangere Frau (ist ja voll gefährlich auf so einer Bühne!) und der ständigen Konfrontation mit Body Shaming vor und nach der Geburt.
Humorvoll lässt sie uns an ihren Gedanken teilhaben, wie auch sie mit widersprüchlichen Emotionen zu kämpfen hat(te). Oder wie sie es schafft, über all den negativen Kommentaren drüber zu stehen. Sie nimmt den Leserinnen (oder vielleicht auch dem einen oder anderen LeseR) die Angst vor unangenehmen Geburt-Situationen und zeigt, dass wir alle so neue Angewohnheiten bekommen. Wie das zwanghafte Bohren in Babys’ Nasenlöchern.

Sozial ausgegrenzte Milchtankstelle sucht Akzeptanz
Die Schilderungen der Comedienne helfen, Worte für Gefühle und Gedanken für den Mama-Alltag zu bekommen. Erst wenn man Mutter geworden ist, kann man vieles verstehen. Warum man sich darüber schlapp lacht, wenn ein Baby einem Politiker gleicht, zum Beispiel. Oder warum man sich als stillende Person wie eine Milchtankstelle fühlt, die niemand da haben will (dauert oft lang und manche Menschen empfinden die nackte Brust im Ernährungskontext als “widerlich”). Aber auch den Struggle, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen, versteht man besser.
Auch Top-Tipps wie “Schlaf, wenn das Baby schläft“ (Achtung Sarkasmus!) werden thematisiert. Die Autorin nimmt sich selbstverständlich kein Blatt vor den Mund und demonstriert, wie man auf echt unnötige Ansagen reagieren kann. Ich nenne es mal: Modell-lernen nach Kebekus. Zu guter Letzt widmet sie sich ausführlich und selbstbewusst der Abtreibungsdebatte. Sie gibt ganz klar zu verstehen, dass potentielles Leben nicht nur durch einen Schwangerschaftsabbruch verloren geht, sondern auch, wenn ins Nichts onaniert wird. Queen!
Fazit
Dieses Buch ist ein wahrer Stimmungsaufheller. Es ist die Freundin, die man in der emotionalen Zeit als Mutter braucht. Der Beistand, der einen in seinem Tun bestätigt und das Vorbild, das einen bestärkt, seinen Weg so weiterzugehen, wie es für einen selbst passt.
Heiter, amüsant, bestärkend und ermutigend zeigt es, dass wir Mütter alle in einem Boot sitzen und auch zusammenhalten müssen. Sie betont, dass es sich um keine Anleitung handelt, sondern um ihre Erfahrungen. Aber genau das ist es, was man als Mutter braucht: einen Raum für seine Themen.


