100 Jahre Passionsspiele ** Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe – Steinbruch in St. Margarethen

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Wenn alle vier Jahre in einem Ort im Burgenland ein Mann ans Kreuz gehängt wird.

Alle vier Jahre finden im Steinbruch in St. Margarethen die Passionsspiele statt und das nun schon seit 100 Jahren. Zum Jubiläum hat man sich dazu entschieden, das Leben und Sterben Jesu aus weiblicher Perspektive zu erzählen: aus jener von Mirjam, besser bekannt als Maria Magdalena.

Das Konzept

Bin ich religiös? Nein. Gehöre ich dem christlichen Glauben an? Schon lange nicht mehr. Trotzdem war meine Neugier auf die Passionsspiele in St. Margarethen groß, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Besonders spannend finde ich die Zusammenarbeit der Menschen im Ort, denn alle Schauspieler*innen auf der Bühne stammen aus St. Margarethen selbst. Dazu kommt die atemberaubende Kulisse des Steinbruchs, der auch für seine Opernproduktionen bekannt ist. Und wenn dann noch eine jahrhundertealte Geschichte aus weiblicher Sicht erzählt wird, macht mich das umso neugieriger.

Knister*Wissen: Passionsspiele sind christliche Dramen, die die Leidensgeschichte Jesu darstellen. Die Handlung reicht meist vom Einzug in Jerusalem über das letzte Abendmahl bis hin zur Kreuzigung und Auferstehung. Ihren Ursprung haben die Passionsspiele im Mittelalter. Ziel war es, die biblischen Geschehnisse während der Fastenzeit für die Menschen greifbarer zu machen.

Das Interessante an dieser Inszenierung ist der Perspektivenwechsel. In diesem Stück erzählt Maria Magdalena, die Geliebte Jesu, seine Geschichte 20 Jahre nach seinem Tod. Sie liefert Kontext, ordnet die Ereignisse ein und beantwortet Fragen dazu, warum sie im Neuen Testament nur selten vorkommt oder weshalb es kein Evangelium von ihr gibt. Diesen Ansatz fand ich für die katholische Kirche tatsächlich überraschend erfrischend.

Mein Fazit

Für ein Stück, das ausschließlich mit Laiendarsteller*innen arbeitet, war es eine gelungene Vorstellung. Dennoch gab es einige Dinge, die man meiner Meinung nach hätte anders lösen können, allen voran die Länge.

Da ich die Premiere besucht habe, durfte natürlich auch der Pfarrer von St. Margarethen ein paar Worte sagen. Aus ein paar Worten wurde allerdings eine rund 25-minütige Begrüßung, die gefühlt kein Ende nehmen wollte. Das nahm der eigentlichen Vorstellung etwas den Schwung. Aber auch das Stück selbst zog sich stellenweise. Einige Szenen wirkten auf mich nicht unbedingt notwendig, und die vielen Menschen auf der Bühne sorgten teilweise für regelrechten Stau beim Abgang.

Ein großes No-Go war für mich außerdem der Einsatz echter Tiere. Pferde, Esel und Tauben, die für einen kurzen Effekt in eine Box gesperrt und anschließend auf der Bühne freigelassen werden, braucht es meiner Meinung nach nicht, um die Geschichte wirkungsvoll zu erzählen. Auch wenn die Inszenierung nicht in allen Punkten überzeugen konnte, zeigt sie doch, wie spannend es sein kann, eine jahrhundertealte Geschichte neu zu erzählen. 

   

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