Akrobatik, Neugier und das Talent, Kinder zu begeistern, vereint!
Puh, das Leben kann ganz schön langweilig sein. Das spürt die Tänzerin Maartje Pasman in “Farbenreich” sehr stark, denn hier ist alles so trist und farblos. Muss es so bleiben? Mit stimmiger Musik, ausdrucksstarker Choreographie und humorvollem Fingerspitzengefühl entdeckt sie, dass aus allem etwas Faszinierendes entstehen kann – mit einer guten Portion Farbe.
Eine wahre “Öd”-issee
Die Protagonistin tanzt voller Elan mit Klemmbrett und Stift durch die Publikumsränge. Es wird eine Liste abgehakt und fokussiert gearbeitet. Mit einer Art Kauderwelsch begeistert sie die Kinder ab der ersten Minute und sorgt durch ihre eindrucksvolle Schauspielkunst – bestehend aus ausgeprägter Mimik und Gestik – für viele herzliche Lacher.
Trotzdem wird ihr recht schnell langweilig, denn der Raum hat nicht viel zu bieten. Der Tisch dient als Klopf-, Steig- und Schlafmöglichkeit. Aber irgendwie kann der noch viel mehr, oder? Ein Aquarium kann bestimmt helfen, für etwas Abwechslung zu sorgen oder sogar Spannung hervorzubringen. Sie beobachtet den Fisch, doch auch der blubbert und treibt nur so vor sich hin. Echt langweilig… und jetzt?
Murmeln marsch!
Nach einem kurzen Nickerchen entdeckt sie ganz neue Seiten an ihrem Sessel. Er lässt sich bewegen, verschieben, betanzen, rutschen kann man darauf auch. Der kann ja richtig viel! Voller Neugier begutachtet sie das Prachtstück und bietet eine spannende und anregende Auseinandersetzung mit dem Möbelstück (auch ich wäre hier gerne instant auf die Bühne gehüpft und hätte mitgemacht).
Hier kommt auch der erste Farbklecks zum Einsatz: Sie dreht ihre weiße Jacke um, sodass das rote Innenleben sichtbar wird. Als sie die Lade vom Schreibtisch öffnet, passiert ein ordentliches Hoppala: Es fliegen etliche Murmeln heraus!
Für die Performerin öffnet sich eine neue Tür – ob man sich auf allen Vieren durch den Raum bewegen kann, ohne die Murmeln zu berühren? Kann man sie auch wegschubsen? Wohin rollen sie? Oder doch lieber mal mit den Zehen hochheben? Das Murmelfeld auf dem Boden wird bestens beleuchtet, sodass die (kleinen) Zuschauer*innen belustigt das Entdecken beobachten können.

Farbe – peu à peu
Hey, da war doch was mit dem Aquarium. Vielleicht könnte das auch noch etwas Farbe vertragen? Mit gelber und oranger Farbe werden die weichen Bewegungen des Wassers in den Vordergrund gerückt. Auf einem Screen sieht man, wie die Farbtropfen ins Wasser gelangen und bereits diese Simplizität für Staunen sorgt.
Dank einem farbigen Hinweis wird sogar ein grüner Rasen entdeckt, der zum Rumkugeln und Grasfressen einlädt. Doch ein besonderes Highlight aller Kinder (inklusive meiner) war das blaue Farbtuch. Klingt anfangs nicht so spannend, doch wenn dieses Stofftuch mit Föhn und Ventilator zum Tanzen gebracht wird, sind keine Kinnläden geschlossen.
Mit eingespielter Harfenmusik erleben wir die weichen, eleganten Bewegungen der Tänzerin. Sie zeigt uns, was man allesmit einem Tuch machen kann, wenn man der Kreativität einfach mal freien Lauf lässt. Nach und nach zieht mehr Farbe in den Raum ein und je mehr Farbe ins Spiel kommt, desto energiereicher werden die Choreografie sowie die Musik.
Den krönenden Abschluss bilden eine beeindruckende Aerial-Silk-Performance, bei der man aus lauter “Wows” und “Oooohs” nicht herauskommt. Dazu kommt ein berührender und mit Lebensfreude geprägter Tanz. Mit buntem Umhang erinnert er an den Tanz eines Schmetterlings (und verkörpert durch den Stoff auch Schmetterlingsflügel).
Humorvolle Tanz-Akrobatik, die begeistert
Die vollen Ränge, das viele Gelächter, der tobende Applaus (bereits während der Vorstellung von den Kids selbst!) und die staunenden Augen aller Besucher*innen sprechen mehr als tausend Worte. Die Performance ist ein wundervolles Erlebnis, das zeigt, dass aus Langeweile Kunst entstehen kann. Dank Neugier, Offenheit und daraus resultierender Kreativität kann sie so viel Schönes hervorbringen.
Die Tänzerin zeigt, wie spannend die unspannendsten Dinge, wie Sessel und Tisch, sein können und schafft es dank ihrer komödiantischen Performance und ihrer akrobatischen Leistung, alle zu begeistern. Ich war am Ende so gerührt, weil es für mich einfach nichts Schöneres gibt, als wenn Kunst und Kultur Anklang finden – und das bereits bei den Allerkleinsten. Wenn ihr bisher noch nicht die Chance hattet es zu sehen – it’s a must!


