Die optimale Optimierung ** Liv, Love, Laugh Strömquist – Volkstheater

Blogheader LIV, LOVE, LAUGH STRÖMQUIST © Marcella Ruiz Cruz

Gesellschaftskritik strengt die Lachmuskeln an. Wie optimiert ist das Leben und wie kann ich es noch weiter optimieren, obwohl es doch schon optimal ist?

Wer schon mal einen Liv Strömquist Band gelesen hat: sie schreibt auch fabelhaft für die Bühne. In vielen kleinen Szenen wird uns die gesellschaftliche Optimierung des Optimierten gezeigt. Wer ist am besten im Leben, in der Zufriedenheitsumfrage, bei der Paketrücksendung und vor allem: wer gibt die besten Ratschläge? 

Gemeinsam mit Ada Berger hat Strömquist einen starken Text geliefert (aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt von Ellen Neuser & Leonard Merkes), den Anna Marboe gekonnt auf die Bühne gebracht hat. 

Das kennt jede*r: Wie können wir uns verbessern?

Social Media ist voll von Optimierungen, Vorschlägen und Plänen zur Verbesserung der eigenen Lebensweise. Dabei wird natürlich präsentiert, wie erfolgreich und optimiert man selbst ist. Liv Strömquist stellt dies in ihrem Text humorvoll aus.

LIV, LOVE, LAUGH STRÖMQUIST © Marcella Ruiz Cruz

Beispielsweise die 35-jährige mit sämtlichen Auszeichnungen, die man sich nur ausdenken kann. Oder das Paar, die Beziehungsinfluencer*innen sind, die ihre Beziehung als Podcast vermarkten – beziehungsweise (pun intended) diese Beziehung eigentlich nur für den Podcast führen.

Aber auch allgemeinere Situationen, die jede*r individuell für sich kennt. Fragen, die angeblich auch zur Verbesserung beitragen. Aber zu wessen Verbesserung tragen sie bei, wenn sie nur Probleme schaffen? Handyshops, die sich nach deiner Zufriedenheit im Service erkundigen, aber keinen Handy-Service haben. Therapiestunden, die nur nach einem vorgegebenen Frageschema abgespult werden und sich nicht mit der Person beschäftigen. Da wird man als Kund*in auch mal verärgert.

Absurd realistisch

Die individuelle Erfahrung ist kollektiv. Die Szenarien und Geschichten, die Strömquist uns zeigt, sind Alltagsgeschichte. Wir alle haben, jede*r für sich, die gleichen Auseinandersetzungen, da wir uns alle im selben System befinden. Alle laufen dieselben Wege ab, treffen auf die gleichen Konflikte. 

Das macht das Bühnenbild (Bühne und Kostüm: Helene Payrhuber und Sophia Profanter) umso passender. Ein Lauftrack, mit leichten Erhebungen als Hürden, der sich noch dazu im Kreis dreht. Immer dieselbe Strecke, immer dieselben Situationen, das System und die Figuren bewegen sich im Kreis. Schwarz-weiße Ganzkörperanzüge als Kostüme, mit vereinzelten Monstern im Comicstyle. Ein Style, der ganz klar an die Autorin angelehnt ist. 

LIV, LOVE, LAUGH STRÖMQUIST © Marcella Ruiz Cruz

Lachkrampf garantiert

Beim Zusehen hat man auch den Eindruck, dass es dem sehr starken Ensemble (bestehend aus Sissi Reich, Katharina Kurschat, Nicolas Frederick Djuren, Nick Romeo Reimann, Claudia Sabitzer, Sebastian Rudolph) sehr viel Spaß macht, diesen Text aufzuführen. 

Als Zuschauer*in fühlt man sich gleichzeitig sehr gesehen und verstanden, aber auch etwas ertappt. Dazu kommen noch einzelne Musikeinlagen, die dem Ganzen eine lustige, dramatische Abrundung geben: Gesänge zur Abfrage von Postleitzahlen und der Paketrückgabe von Online-Bestellungen erfreuen das Gemüt.

Schau hier her → Look here → Buraya bak → Pogledaj ovde → Nézd ide → Guarda qui → انظر هنا → Podívej se sem → Spójrz tutaj → Посмотри сюда → Виж тук → Nhìn đây →

knisternde Beiträge:

"Kultur ist nachhaltig" vegan" lit oida" glutenfrei" neurodivergent" neutral" kulturell" nonbinär" geil" Hafermilch?" chaotisch" richtig" bunt" verständnisvoll" multi" direkt" ...FÜR ALLE"