Wien hat angerufen und möchte seinen ESC-Act finden. Könnte es Philip Piller sein?
Wer sich in den letzten Jahren in der österreichischen Castingshow-Szene herumgetrieben hat, dem wird Philip Piller kein unbekannter Name sein. Im Frühjahr 2024 schaffte er es ins Finale und damit unter die Top 5 von “Die große Chance – Let’s Sing And Dance”. Auch bei der Neuauflage von Starmania im Jahr 2021 war er Kandidat.
Nun stellt er sich am 20. Februar bei “Vienna Calling” erneut auf die Küniglberg-Bühne. Sein Ziel: Österreich dieses Jahr beim Eurovision Song Contest zu vertreten. Vorab habe ich mit ihm darüber gesprochen, was ein öffentlicher Vorentscheid für Künstler*innen bedeutet und wie es sich anfühlt, sein Land beim ESC zu repräsentieren, wenn dieses zugleich Gastgeber ist.
Pokern für den ESC
Öffentliche Vorentscheide sind beim ORF statistisch gesehen eher die Ausnahme. In 57 Jahren österreichischer ESC Geschichte setzte der Sender 38 Mal auf eine interne Auswahl. Zuletzt gab es 2016 einen Vorentscheid, den Zoë mit Loin d’ici gewann.
Bei “Vienna Calling – Wer singt für Österreich?” tritt Philip Piller mit seinem Song Das Leben ist Kunst gegen elf weitere Mitstreiter*innen an. Doch er ist in Sachen ESC definitiv kein Neuling. Vergangenes Jahr unterlag er nur knapp seinem ehemaligen Starmania-Kollegen Johannes Pietsch alias JJ. Zudem wurde er mehrfach zu ORF-internen Songwriting-Camps eingeladen, um dort ESC-Songs zu entwickeln. Doch macht es für ihn als Künstler einen Unterschied, ob er intern ausgewählt wird oder sich live vor Publikum und Jury beweisen muss?
“Ich sag mal so, es hat beides Vor- und Nachteile. Der Vorteil einer internen Selektion ist, dass du viel mehr Zeit hast, im Stillen zu arbeiten.”
Bei einer internen Auswahl brauche man zunächst “nur” den Song. Fällt die Entscheidung auf einen Act, bleiben rund zwei Monate, bis man Österreich als Vertreter*in für den ESC vorgestellt wird. In dieser Zeit kann man sich dann bereits um Dinge wie das Staging, Visuals und Konzept kümmern. Bei einem öffentlichen Vorentscheid müsse all das bereits davor stehen, inklusive der finanziellen Frage: Wie viel investiert man überhaupt in einen Song, der es vielleicht nicht schafft?
“Da gibt’s dann vielleicht ein, zwei Songs, die abgesehen vom Gewinner wirklich Popularität gewinnen und der Rest wird wahrscheinlich in der Versenkung verschwinden. Und das meine ich auch nicht wertend. Das ist einfach meistens so.”
Host Country Curse
Da Österreich heuer nicht nur teilnimmt, sondern auch Gastgeber ist, steht eine Frage ganz besonders im Raum: Möchte man denn heuer überhaupt Österreich beim Song Contest vertreten? Für Philip ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet die automatische Qualifikation für das Finale eine immense Beruhigung.
Andererseits belegt die Statistik eine Tendenz, dass das Publikum Acts aus dem Gastgeberland tendenziell schlechter bewertet. Natürlich denkt jede*r Künstler*in: “Ich könnte die Ausnahme sein.” Doch Philip ergänzt sehr ehrlich und mit einem Augenzwinkern: “Es könnte auch sein, dass mich ein Blitz trifft.”
Zwischen Statistik und Realismus liegt aber das, was ihn antreibt: seine lebenslange Liebe zum Wettbewerb und der Wunsch, endlich selbst auf der ESC-Bühne zu stehen.


