Klasse geht uns alle was an ** Klassenputtel – Vestibül

Blogheader Klassenputtel (c) Tommy Hetzel

Klassenputtel stellt die Frage, warum Aschenputtel erst dann vom Prinzen geliebt wird, sobald sie den sozialen Aufstieg mit Ballkleid und Glasschuh hinter sich gebracht hat. Doch was heißt sozialer Aufstieg und wie fühlt sich dieser an? 

Die Regisseurin Saliha Shagasi macht mit ihrer Inszenierung genau das sichtbar. Sie zeigt, wie Klassenzugehörigkeit den Geschmack, unser Verhalten und die Lebenssituation bestimmt. Dabei startet sie ihr Stück in einer Kunstgalerie. 

Wie die Figuren über Kunst sprechen, welche Details ihnen auffallen, welche Farben sie schön oder hässlich finden: Das alles ist keine individuelle Präferenz. Es ist etwas, was sich durch unsere Sozialisation bildet und somit gebunden ist an unsere Klassenzugehörigkeit.

Wie viel Herkunft darf man behalten?

In einer weiteren Szene wird einer jungen Frau der Zugang zur Oper verweigert, weil sie sich “falsch” benimmt – beziehungsweise nicht so, wie es in der Oper von ihr erwartet wird. Erwartet werden nämlich brave Kleidung und schöne Sprache, nicht Jogginghose und Dialekt. Hochkultur eben. 

Es gibt Gespräche in deutscher und englischer Sprache, berührende Monologe, Deutschrap und Klassik, ausdrucksvolle Tanzszenen, stylische bunte Outfits und ganz viele Bilderrahmen, die in unterschiedlichsten Funktionen das dynamische Bühnenbild formen. 

Szenisch umgesetzt wird das Stück von einem Community-Ensemble, bestehend aus acht jungen Schauspieler*innen. Das Besondere: Viele davon mit persönlichem Bezug und nicht deutscher Muttersprache. In einer der eindrücklichsten Szenen des Stücks fungieren die Bilderrahmen als Esstisch und es werden gleichzeitig acht verschiedene Sprachen gesprochen. Damit soll vor allem ein weiterer zentraler Inhalt des Stücks zum Ausdruck gebracht werden: Am Ende kehrt ein Kind zurück. 

Gehört man jemals dazu? (c) Tommy Hetzel

Weißt du, welcher Klasse du angehörst?

Was ist damit gemeint? Wenn man Klassenputtel sein will und sich gegen Secondhand und für das fancy Ballkleid entscheidet, dann zahlt man dafür einen Preis. Man lässt seine Freund*innen und Familie zurück, entfremdet sich von seiner Heimat. Man fühlt sich nirgends zugehörig. Nicht in der Herkunftsklasse, nicht in der neuen Klasse. Man bleibt also fremd, auch wenn das Bankkonto voller wird. 

Klassenwandel betrifft uns alle. Wir verschleiern Tatsachen der Ungleichheit, wenn wir Klassenzugehörigkeit unsichtbar machen. So zu tun, als wäre unser Geschmack individuell, als hätten wir Chancengleichheit oder den gleichen Zugang zu Kunst, ist nicht die Lösung des Problems. 

Mit Klassenputtel macht Saliha Shagasi dies sichtbar und zeigt, dass wir Bewusstsein schaffen müssen, um eine inklusive Gesellschaft zu sein. 

Aus dem Rahmen denken. (c) Tommy Hetzel

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