Bonjour Tristesse! Darf man über Depressionen lachen? Homajon Sefats neues Soloprogramm stellt diese Frage gar nicht erst.
Die Romantik war eine europäische Kultur- und Geistesepoche (1795 bis 1848), die als direkte Gegenbewegung zur rationalen Aufklärung und zur strengen Klassik gilt. Gefühl, Sehnsucht und Fantasie standen anstelle der reinen Vernunft im Mittelpunkt.
Wenn nun Homajon Sefat sein aktuelles Kabarettsolo „Romantik“ betitelt, dann hat das eine gewisse Mehrdeutigkeit. Denn einerseits strömt seiner Bühnenfigur die Sehnsucht nach der Flucht in eine Fantasiewelt aus allen Poren. Andererseits ist sie von der Konfrontation mit der Realität so deprimiert und abgestumpft, dass nicht mehr viel Energie für Romantik übrig ist.
Triste Grundstimmung
Aber das ist kein Wunder, wenn man sich die Lebensgeschichte anschaut, die der Kabarettist auf der Bühne vor seinem Publikum ausbreitet. Es sind Erinnerungen an eine triste Kindheit, in der die Basis für ein vermeintlich verkorkstes Leben gelegt wurde. Und auch wenn das Kabarett stets von der satirischen Überhöhung lebt, so darf man doch vermuten, dass etwas Wahres dran ist. Homajon Sefat – der echte Mensch hinter der Bühnenfigur – hatte jahrelang mit Depressionen zu kämpfen. Die spricht er nicht nur in seinem Programm offen an, sondern auch in seinem Mental-Health-Podcast mit der Psychiaterin Katharina Stengl, der bisher 85 Folgen hat.
Der Mann, der auf der Bühne ein Gesicht macht wie ein getretener Hundewelpe, sorgt in „Romantik“ für eine triste Grundstimmung, die nur durch eine gewisse Bissigkeit aufgelockert wird. Politische Seitenhiebe streut er ebenso ein wie Fun-Facts aus der Tierwelt (die meist gar nicht so funny sind). Dazwischen kotzt er sich über verschiedene Dinge aus, die ihn stören – und ist dabei genau am Punkt. Humor ist, wenn man sich trotzdem darüber lustig macht.
Hier ist jeder Satz eine Anspielung. Und die Handlung, die er insbesondere für die zweite Hälfte entwickelt hat, wirkt nur auf den ersten Blick willkürlich. Auf den zweiten Blick offenbart sich die Metaebene, auf der zum Beispiel ein Ausflug auf den Meeresboden absolut Sinn ergibt, weil Homajon Sefat sein Publikum damit wahrhaftig runterzieht. Tiefer geht’s eigentlich gar nicht.

Dir geht’s schlecht? Ihm geht’s noch schlechter.
Nur mit der titelgebenden Romantik geht er höchst sparsam um. Allzu viel davon würde schließlich seine negative Grundhaltung konterkarieren. Außerdem hat eine nicht repräsentative Umfrage des Künstlers unter seinen Fans zum Thema Romantik ergeben, dass es dabei letztlich sowieso immer auf Sex hinausläuft.
„Die einzige Körperfunktion, für die man einen zweiten Menschen braucht“.
Und klar, in die triste Lebensgeschichte des Homajon Sefat passt keine erfüllte sexuelle Beziehung. Schon eher eine leicht irritierende Sex-Positivity-Party und andere Abstrusitäten.
Bald ist klar: Schlechter als ihm kann es eigentlich niemandem im Saal gehen. Vielleicht lautet deshalb eine Botschaft des Abends: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann denk daran, dass andere vielleicht nicht einmal Zitronen haben.


