Les Deux ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Es sind talentierte Sängerinnen, die Parodie einer klassischen Performance, die Kultur trotzdem sehr ernst nimmt und ganz Vieles, was man so gar nicht erwartet hätte.
Das Stück „Les Deux“ der NOW (Neue Oper Wien) beginnt mit einer großen Trommel und zwei Frauen. Das Bühnenbild besteht aus Instrumenten. Es soll ein Orchester darstellen. Die Plätze sind aber leer. Denn: Das Orchester wird nicht eintreffen.
Die Opernstars von morgen
Diese Erkenntnis machen bald auch die Hauptdarstellerinnen und blicken verwirrt ins Publikum. Abgesagt sei der Liederabend. Danke fürs Kommen und Tschüss. Das Publikum bleibt sitzen. Die Sängerinnen bleiben auf der Bühne. Aus dieser Situation entwickelt sich eine Performance, die Musik nicht nur als Ton versteht. Schritte, Laute, Blicke, Hauchen, Lachen oder Stampfen: alles ist Teil der Idee. Und die Idee dieses Stücks? Die Geschichten und Gefühle der Hauptdarstellerinnen mit musikalischen Zitaten zu erzählen.
Den Großteil der Performance besteht das Ensemble aus Christine Rainer und Ellen Rose Kelly. Beide sind junge, hochtalentierte Künstlerinnen. Neben der Skill-Ebene verkörperten sie aber vor allem eines: Ihre Liebe zur Musik. Selten habe ich klassische Musiker*innen mit einer solchen Leidenschaft für ihr Tun gesehen. Es geht nämlich zuerst um das Gefühl und dann um die Technik.
Wie bricht man Hochkultur? Mit Humor!
Dramatische Arien (=Solostücke in der Oper) wurden noch dramatischer inszeniert, die Vierte Wand (Leute auf der Bühne brechen die „Trennwand“ zwischen Publikum und Bühne) wurde mehrmals gebrochen und es wurden flache Witze gerissen. Eine verpasste Chance war meiner Meinung nach, dass man sich bei der Auswahl der Lieder mehr trauen könnte.
Es gab nicht nur Klassik, sondern auch (zum Beispiel) Volksmusik, jedoch hätte hier noch breiter gedacht werden können. Einen kleinen Heartbreak Taylor Swift Song oder ein bisschen We will rock you stampfen hätte der Performance gut getan. So bleibt die Inszenierung gemacht von klassischen Musiker*innen für (hauptsächlich) klassische Musiker*innen. Was schade ist, weil in diesem Stück so viel Potenzial für neue Formen und Zugänge steckt. Insgesamt jedoch ein witziger und berührender Abend.


