6 Kinderbücher zum Pride-Month: Wir feiern die Vielfalt unserer Welt!

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Die Pride ist in vollem Gange und die spektakuläre Pride Parade steht vor der Tür. Zum Glück gibt es immer mehr Bücher zum Thema Diversität, bei der wir feiern, dass wir alle liebenswert sind, egal welchen Geschlechts, welchen Hintergrunds, welcher Identität.

1. Der Dinosaurier von nebenan David Litchfield ** Weil uns Andersartigkeit völlig schnuppe ist

Mit einem Brachiosaurus Diversität erklären? Na logo! In diesem Buch lernen wir dank des Dinosauriers Mr. Wilson und seiner Mitmenschen, dass es völlig egal ist, wie man aussieht oder was man zu sein scheint. Solange das Herz am richtigen Fleck ist.

Fällt es denn bitte niemandem auf?!

Liz lebt gerne in ihrer Nachbarschaft und mag auch ihren Nachbarn Mr. Wilson sehr gerne. Ihr ist immer schon aufgefallen, dass er ganz anders ist, als all die anderen – nicht menschlich, sondern sehr… dinosaurisch? Außer ihr scheint das niemand zu bemerken und so sucht sie eine Paläontologin auf, um ihre Erkenntnis mit ihr zu teilen. 

Allerdings glaubt ihr diese nicht. Eines Tages verfolgt sie ihren Nachbarn auf dem Nachhauseweg und darf etwas Wundervolles entdecken: die Welt der Dinosaurier. Doch leider ist ihm nicht nur Liz auf die Schliche gekommen, sondern auch die Paläontologin und verschleppt ihn. Was nun?

Wunderschöne Message und ein großes „Ja” zu Diversität

Mr. Wilson mag zwar der einzige Dinosaurier in der Nachbarschaft oder des Ortes sein, doch er wird genauso geliebt wie alle anderen. Er hat ein großes Herz und ist zudem der beste Bäcker hier, warum sollte man ihn dafür ausgrenzen? Liebevoll und kindgerecht wird auf das Thema Diversität eingegangen und gezeigt, dass unser Aussehen, unsere Herkunft und unsere Sprache nichts mit unserer Wertigkeit in einer Gemeinschaft zu tun haben. Dinosaurier hin oder her – Mr. Wilson gehört zu uns!

Ein ganz großes thumbs up! Die Geschichte ist ideal, um Kindern Diversität näherzubringen und das auf eine niederschwellige, liebevolle und kreative Art und Weise. Mit dem Dinosaurier wird keine andere Personengruppe als problematisch dargestellt und dennoch ist es für Kinder verständlich, worum es geht.

Knesebeck, ab 4 Jahren

2. Zwei Papas für Tango Edith Schreiber-Wicke, Carola Holland ** Vielfalt und Toleranz im Zoo

Roy und Silo leben in einem New Yorker Zoo. Schon von Kindesbeinen an sind sie unzertrennlich. Auch in ihrer Jugend haben sie nur Augen für einander anstatt für das weibliche Geschlecht. Wie es das homosexuelle Pinguin-Paar schafft, seinen Wunsch zu erfüllen und sich nicht unterkriegen zu lassen.

Ihr solltet euch trennen. Denkt doch an den Nachwuchs!

Roy und Silo fühlten sich schon immer stark verbunden. Seit ihrer Kindheit gibt es sie nur zu zweit und niemand kann diese Beziehung beeinflussen, nicht mal die weiblichen Pinguine. Denn für die interessieren sie sich gar nicht. Die Tierpfleger*innen versuchen die beiden zu trennen, immerhin wird es Zeit für Nachwuchs, doch sie müssen bereits nach wenigen Tagen feststellen, dass Roy und Silo zueinander gehören. Das sehen die beiden Tiere auch so und bauen sich ein Nest für ihren gemeinsamen Nachwuchs. Ob es zu diesem auch kommen wird?

Einfach, unaufgeregt und selbstverständlich wird die Liaison der beiden männlichen Pinguine dargestellt. Sie lassen sich in ihrem Sein nicht beirren und verfolgen optimistisch und willensstark ihr Ziel. Es ist eine wunderschön echte Darstellung eines Paares, das seine Homosexualität nicht infrage stellt und zu verstehen gibt, dass es nichts dabei zu hinterfragen gibt, sondern zu unterstützen und zu bekräftigen. Die kleinen Leser*innen bekommen diese Selbstverständlichkeiten transportiert und lernen so, wie normal und wichtig diese Beziehungsform ist.

Homosexualität leicht erklärt

Ein großartiges Buch, das die Themen Vielfalt und Toleranz aufgreift. Dank der Pinguine Roy und Silo dürfen Kinder die Erfahrung machen, dass auch zwei Papas ein ganz normales Elternpaar sind und genauso bestärkt gehören. Der Tierpfleger Rob übernimmt hierbei eine essentielle Unterstützer-Rolle, die alte Strukturen aufbricht und ein klares Zeichen für Toleranz setzt. Wundervoll gelungen!

Thienemann, ab 4 Jahren

3. Opas Pride Harry Woodgate ** Eine eigene Parade für das Dorf

Am Dachboden gibt es die besten Fundstücke. Hie und da kann man sogar mal eine alte “Pride”-Flagge entdecken. In diesem Buch beschließt das Mädchen, mit ihrem Opa eine eigene Pride Parade zu veranstalten und begeistert das gesamte Dorf.

Party für die Vielfalt!

Das kleine Mädchen liebt es, jeden Sommer ihren Opa im Haus am Meer zu besuchen. Hund Gilbert und sie genießen die Zeit und suchen auf Opas Dachboden nach verborgenen Schätzen. Bald findet sie eine alte Regenbogenflagge, die sich ideal als Piratenflagge hissen lässt. Aber wofür steht die eigentlich?

Opa erzählt von den Pride-Protesten, auf welchen er und sein Mann jahrelang präsent waren. Er erklärt den Begriff und die Bedeutung der Pride, ebenso die Lebensfreude an diesem Tag. Das Mädchen möchte gerne die Pride zu ihnen ins Dorf holen und präsentiert den Bewohner*innen ihr Konzept. 

Alle sind begeistert und möchten ihren Beitrag leisten, egal ob mit Blumen oder buntem Gemüse. Die Organisation läuft bestens. Doch am Abend kann das Mädchen kaum die Augen zu machen. Ob Opa damit zufrieden sein wird? Er ist nicht nur glücklich, sondern führt die Parade mit seinem rosa Camper an. Zur Feier des Tages erleuchtet am Horizont ein bunter Regenbogen.

Fazit

Für dieses Buch muss ich so viel Liebe da lassen! Unterhaltsam, positiv und ermutigend gelingt der Einstieg in die Pride-Thematik. Die Storyline ist entzückend und zeigt, wie viel Spaß die Parade machen kann. Die Geschichte ist ansprechend, kindgerecht und hinterlässt so viel Freude und Neugier, die bestimmt im positiven Sinne nachklingt. Vielleicht finden sich durch das Lesen noch weitere Pride-Organisator*innen.

Kindermann Verlag, ab 3 Jahren

4. Ganz normal, oder? Tom Percival ** Man selbst zu sein als Wegweiser

Norman ist ein ganz gewöhnlicher Junge eigentlich ganz normal. Er fühlt sich auch so, als ihm eines Tages Flügel wachsen. Sie sind wundervoll und verleihen ihm neue Möglichkeiten, aber anders sein ist beängstigend. Eine einfühlsame Geschichte über Selbstakzeptanz und das Anerkennen der eigenen Besonderheiten. 

Gibt’s die auch in Unauffällig?

Norman war schon immer ein ganz normaler Junge. Er verbringt seine Freizeit am liebsten mit seinen Freund*innen und seinem Hund. Eines Tages geschieht etwas Ungewöhnliches: Er bekommt keinen Bart und wird nicht größer. Stattdessen wachsen ihm Flügel! 

Er beschließt, sie sofort auszutesten und ist so glücklich wie nie zuvor, bis sich Angst und Ungewissheit in ihm breit machen. Würden andere seine bunten Flügel akzeptieren? Schnell versteckt er sie unter einen dicken Jacke, die für den Sommer unbequem und unpassend ist. Sie schränkt ihn in seinem täglichen Leben ein – denn Baden, Schlafen und Spielen in der Sonne sind mit einer dicken Jacke kaum auszuhalten. 

Endlich frei!

Er zieht sich immer mehr zurück, bis er bunte Vögel am Himmel sieht. Er bemerkt, dass die Jacke für ihn das Belastendste war. Schließlich befreit er sich von dem unbequemen Kleidungsstück und kann endlich seine wunderschönen Flügel ausbreiten. Hoch oben am Himmel sieht er andere Kinder in dicken Jacken, die dank ihm den Mut fassen, auch ihre Flügel zu zeigen. 

Eine berührende Geschichte über die Schönheit des Andersseins. Sie zeigt, dass es kein “normal” gibt, sondern, dass jede*r einfach er*sie selbst sein kann und es keine Abstufungen oder Anpassungen benötigt. Man darf sein, wer man wirklich ist und wird immer Menschen begegnen, die ähnlich oder gleich ticken. Ein kurzweiliges Vorlesebuch, das darin bestärkt, die eigenen Besonderheiten zu akzeptieren und selbstbewusst zu leben.

Loewe, ab 4 Jahren

5. Einzigartig! Leben mit Behinderung Henrick Clausing, Lena Hesse ** Der Mensch steht vor der Beeinträchtigung

Wie soll ich das erklären? Was ist eine Behinderung und warum haben manche Menschen eine? Dieses Buch beantwortet Fragen und gibt euch prägende Alltagsgeschichten, die helfen, die unterschiedlichen Beeinträchtigungen besser zu verstehen.

Was, das ist auch eine Behinderung?

Ist dir schon mal aufgefallen, wie inklusiv und barrierefrei unser Alltag gestaltet ist? Beispielsweise finden sich bei Bus- und Straßenbahnstationen oder Ampeln angepasste Pflastersteine (mit Prägungen) oder Ampeldrücker mit Braille. Es gibt beinahe überall Behindertenparkplätze, die selbstverständlich nur jene Menschen benutzen dürfen, die sie benötigen. 

Und abgesehen davon: Habt ihr euch schon mal gefragt, warum manche Menschen nicht so gut rechnen können? Oder besser Ski fahren als gehen können? Hier bekommt ihr einen großartigen Überblick, wie Behinderungen aussehen und ausgeprägt sein können. Und ganz viele Antworten auf eure Fragen.

Wow, da gibt’s ja echt viel!

Es gibt tatsächlich viele verschiedene Arten von Behinderungen. Angeboren, durch Unfälle, psychisch, körperlich… jede ist anders. Das Buch versammelt einige Alltagsgeschichten, zum Beispiel zu Elsies eigener Sprache, Noahs tödlichem Gendefekt oder auch Kunos Beeinträchtigung durch eine Fehlbildung. Jeder Einblick in die Lebensgeschichten bietet zudem eine Extraportion Fachwissen durch Gebärdenalphabet, Begriffserklärungen, Infoboxen und weitere Einblicke. 

Zu jeder Form der Beeinträchtigung gibt es etliche Beispiele, die in einfachen Worten erklärt und mit tollen Illustrationen sowie Wertschätzung ergänzt werden. Ein richtig cooles Kapitel ist das rund um die technischen Hilfsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung. Auch ich habe ein paar noch gar nicht gekannt. Außerdem wird der Slogan „Nicht über uns ohne uns” beleuchtet, mit dem sich Betroffene unter anderem für das Recht auf politische Partizipation einsetzen.

Fazit

Ich bin begeistert! Dieses Buch gibt eine wunderbare Einsicht in diverse Behinderungen und eine Übersicht, wie diese Beeinträchtigungen aussehen können. Dem Autor war es wichtig, dass die Menschen im Vordergrund stehen und nicht ihre Diagnosen, daher werden die einzelnen Storys wertfrei und offen dargestellt.

Durch das neu erworbene Wissen bekommt man als Leser*in mehr Selbstvertrauen, reduziert die eigenen Berührungsängste und bekommt Mut, Menschen mit Behinderungen mehr zu involvieren (weil man lernt, dass man so gut wie nichts falsch machen kann). 

Für Kinder ist dieses Buch die perfekte Wahl, um die Verschiedenartigkeit von Menschen und die unterschiedlichen Beeinträchtigungen zu besprechen und kennenzulernen. Man kann die Kapitel getrennt voneinander lesen und je nach Aktualität ein Thema herauspicken und bearbeiten. Selbstverständlich können nicht alle Formen von Behinderungen in diesem Buch Platz finden, doch für vertiefendes Wissen gibt es immer noch passende Internetseiten und Stellen, an die man sich wenden kann.

Fischer Sauerländer, ab 6 Jahren

6. Steck mal in meiner Haut! Saskia Hödl, Pia Amofa-Antwi, Emily Claire Völker ** Wir sind alle gleich und wertvoll

Ein Muss für jedes Zuhause! Hier erfahrt ihr alles rund um Rassismus und bekommt kindgerechte Erklärungen, Herangehensweisen und Tipps.

Verschieden und dennoch gleich

Dieses Buch startet mit der Erklärung, dass alle Menschen dieselben Rechte haben, egal wie jemand aussieht oder woher jemand kommt. Thematisiert wird, dass es nicht in Ordnung ist, jemanden wegen der Hautfarbe, Religion oder des Geburtsorts schlecht zu behandeln, denn das nennt man Rassismus. Man muss auf Fragen à la „Woher kommst du denn?” nicht antworten, wenn es sich nicht gut anfühlt. An rassistischen Äußerungen oder Handlungen ist man nie schuld, sondern nur die anderen. Und wenn man davon selbst nicht betroffen ist, soll man denen, die es schon sind, ein offenes Ohr bieten und die eigenen Privilegien kennen, wie man liest.

Außerdem ist es den Autorinnen ein Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, dass Gerechtigkeit für alle gilt, insbesondere an Orten, an denen es klare Hierarchien gibt, wie etwa in Schulen, Kindergärten, Arztpraxen oder an Arbeitsplätzen. Kinder werden darin bestärkt, es zu hinterfragen, anzusprechen und sich an eine Vertrauensperson zu wenden, wenn sie oder jemand anderes schlecht behandelt werden. Oder, dass sie darauf hinweisen, falls in einer Geschichte oder einem Lied eine BIPoC Person als benachteiligte oder bemitleidenswerte Person dargestellt wird. 

Die klare Message: Wir Menschen sind einzigartig und können unterschiedlich aussehen. Wir alle sind und bleiben normal. Aufgegriffen werden die Vielfältigkeit von Familien, die Besonderheit von Mehrsprachigkeit und der Mut, für sich und andere einzustehen.

Weiße Menschen sind nichts Besseres

Zu guter Letzt finden drei große Themen einen Platz in den Kapiteln: Religion, Kolonialismus und der Holocaust. Alle drei werden einfach, klar, ohne Verschönerung, aber dennoch kindgerecht erklärt. Es geht darum, Kinder aufzuklären, wohin Rassismus führt und warum das nicht nur gegen die Menschenrechte verstößt, sondern auch gegen die Gemeinschaft.

Man sollte auf Fragen der Kinder immer reagieren und auch erklären, dass Rassismus sehr vielschichtig ist und daher jede*r dazulernen und zuhören kann. Lasst uns Gemeinsamkeiten statt Unterschiede finden!

Ein wunderbares Werk, das Jung und Alt über Rassismus aufklärt. Ihr bekommt Einblicke in diese wichtige Thematik und Inputs, wie ihr mit euren Kindern darüber reden könnt. Das Buch eignet sich bestens zum Vorlesen und Durchsprechen, aber auch, um das eigene Wissen zu erweitern und zu erneuern. Man hat in diesem Bereich schließlich nie ausgelernt und findet zudem ein Glossar mit dem wichtigsten Vokabular. Ein Pflichtbuch für alle Eltern da draußen, die ihr Kind weltoffen, wertschätzend und empathisch großziehen möchten.

EMF, ab 5 Jahren

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