Die Familie in der Krisenzeit erfindet sich immer wieder neu. Wenn sich alles ändert, aber irgendwie halt doch nicht. Das Burgtheater und Thornton Wilder laden ein zu einer Reise durch die Jahrtausende.
Von Eiszeit, Sintflut, Krieg und anderen Katastrophen
Adam und Eva (Mr. Antrobus und Mrs. Antrobus) sind seit tausenden Jahren verheiratet, ihre Kinder erst 4000 Jahre alt, sie überstehen die Eiszeit, Sintflut und Krieg – ganz im Sinne des Titels „Wir sind noch einmal davongekommen“. Mr Antrobus schafft das Alphabet, hält mit seiner Frau den Säugetierkongress ab, die Kinder immer mit dabei… Ganz schön was los bei den beiden! Da ist besonders das Dienstmädchen sehr hilfreich, das zwischendurch aus ihrer Rolle steigt und als Stefanie Reinsperger erklärt, wie unklar das Stück ist: „Warum sind Sie alle da?“ Fragt sie ins Publikum. Ja, warum eigentlich?

Menschliche Wiederauferstehung
„Wir sind noch einmal davongekommen“ wurde 1942 von Thornton Wilder geschrieben und das Stück ist damals schon sehr bekannt geworden. Ich kannte es tatsächlich nicht. Es dreht sich um Adam und Eva, die die Menschheitsgeschichte überdauern – inklusive Ehekrise nach 5000 Jahren. Dabei ist es zwischendurch doch verwirrend, was gerade an Handlung passiert. Man kann einigen Themen folgen, aber warum man dem Dienstmädchen jetzt beim Staubsaugen zusieht…? Lauter Naturkatastrophen passieren, unterlegt mit dem familiären Zwist und dem Umgang der Menschen damit und miteinander.
Coole Konzeption, aber sehr ausführlich
Stefan Bachmann, Direktor des Burgtheaters, hat in seiner Inszenierung eine starke Besetzung gewählt, die angenehm, lustig wie dramatisch, durch die verwirrenden Stellen trägt. Von glitzernden silbernen wie goldenen knalligen Outfits, hin zu den schweren alltäglichen Klamotten nach dem Krieg – die Bandbreite der Menschheit zeigt sich auch in den Kostümen stark.
Allerdings muss man auch etwas Ausdauer beweisen: 3 Stunden (inkl. Pause), in denen auch manchmal der Text eher schleppend wird. Doch andere Stellen wiegen dies auch wieder auf, besonders das Ende trägt nochmal eine besondere Stärke in sich. So geht man nach den drei Stunden trotz der schrecklichen Erlebnisse nicht betrübt, sondern auch irgendwie hoffnungsvoll aus dem Saal.



