Struktureller antimuslimischer Rassismus, Dokumentationen, Politik, Österreich. Wie staatliche Aktionen Spuren hinterlassen.
Die “Operation Luxor” war eine österreichische Polizeiaktion aus dem Jahr 2020. Es war eine groß koordinierte Aktion mit dem Ziel, angeblich muslimische terroristische Verbündete aufzudecken. Dabei haben 930 Polizist*innen ca. 60 Haushalte gleichzeitig durchsucht. Daraus ist nun eine gesellschaftskritische Inszenierung von Alireza Daryanavard im Theater am Werk (Kabelwerk) entstanden, die strukturellen Rassismus aufzeigt – in Kooperation mit der Dokustelle Österreich.
Was bisher geschah: Operation Information
Beweise für eine mögliche terroristische Verbindung wurden nicht gefunden. Dafür wurden die Familien traumatisiert: Plötzlich steht um 05:00 morgens ein schwer bewaffneter Polizist in deiner Wohnung. Der strukturelle antimuslimische Rassismus schlägt hier zu, der öffentlich mit dem Terroranschlag vom 2. November am Schwedenplatz ein paar Tage zuvor gerechtfertigt wurde. Dabei war die Aktion bereits lange im Vorhinein geplant, unabhängig von der tatsächlichen Gefahr.

Theater und Dokumentation
Diese sehr spannende Aufarbeitung findet über drei Sprecher*innen statt: Morteza Tavakoli, Emre Cakir und Anna Kramer. Sie berichten sowohl im Chor als auch in einzelnen Monologen über die staatliche und politische Vorgehensweise. Wie Informationen zum Terroristen (“das Oaschloch”) im großen Stil zusammengetragen, aber nicht ausgewertet wurden. Wie das Leben der Eltern und Kinder der durchsuchten Haushalte dadurch auf den Kopf gestellt worden ist. Ordner werden über die Bühne getragen, Berichte vorgetragen und Papier durch die Luft geworfen, bis zum Schluss die Bühne fast gänzlich davon bedeckt ist: die Papierschlacht der Beamten. Es wird versucht, die Realität einerseits dokumentarisch wiederzugeben, sie aber auch künstlerisch kritisch auf die Bühne zu stellen.
Perspektivenwechsel
Zwischen den Textpassagen wird Musik von der Liveband Gasmac Gilmore gespielt, lauter harter Metal und Punk. Interviews mit Betroffenen der Operation sowie Unterstützenden aus der Dokustelle Österreich werden an die Wand projiziert. Die Perspektive der Betroffenen wird damit hereingeholt, als auch die der Menschen, die bei den Nachwirkungen dieser Operation die Betroffenen unterstützt haben. Die direkte Erfahrung von dieser staatlichen Gewalt ist nicht leicht wegzuwischen. Die kritische Auseinandersetzung mit diesem strukturellen Problem in Österreich wird hier Satz für Satz dargelegt. Eine informative wie kritische Auseinandersetzung mit der politischen Lage in Österreich.



