Eine ZIB-Sendung im Tagespressestil: Von Steinzeit und Bürokratie-Flachwitzen bis Sisi und Mozart.
Am Anfang der Geschichte war der Urknall. Zumindest für den Rest der Welt. In Österreich startet die Welt erst zehn Jahre nach allen anderen.
Der Vorhang öffnet sich. Ein ZIB-Studio mit Armin Wolf beziehungsweise seinem Lookalike Paul Kraker führt im Rabenhof-Theater zu den ersten Lachern im Publikum. Hinter dem Moderator ein Bildschirm mit der großen Zeitrechnung. Die Tagespresse lädt mit ihrem neuen Kabarett-Programm zu einer satirischen Geschichtsstunde ein.
Wir starten in der Steinzeit mit flachen Bürokratiewitzen und Photoshop Neandertalern. Anhand der Moderation und mit Bildern wird durch die Geschichte Österreichs geführt. Aufgelockert wird mit Videobeiträgen wie ZIB für Kids, Liebesg’schichten und Heiratssachen oder dem drogenabhängigen Mozart beim Stephansplatz.
Zuerst geht’s ins Römische Reich, für dessen Untergang in der Österreicherzählung Bastiano der Große (Sebastian Kurz) verantwortlich war. Witze auf Kosten von Sebastian Kurz funktionieren immer.
Keusche Kängurus und Mozart Schmäh
Generell ist dies der Gesamteindruck des Stücks: Zu offensichtlich, zu wenig innovativ. Es gibt jedoch einige Beiträge, die mit Humor punkten. Die Initiative Keuschi das Känguru soll im katholischen Österreich Sex für Jugendliche wieder uncool machen. Mit der Positionierung der Oberarme am Körper und der Unterarme leicht angewinkelt nach vorne soll das Masturbieren verhindert werden.
Auch die Mozart-Szene hat überzeugt. Mozart wird zum gescheiterten Komponisten, welcher jetzt street ist und Mozartkugeln stiehlt. Seine neue Berufung? Das Schreiben von Jingles. Spar, mömax oder XXX-Lutz – alles made by the one and only Wolfang Amadeus Mozart.

Natürlich darf auch Sisi nicht fehlen, die im neuen Filmtrailer von Ulrich von Seidl den Taxifahrer von ihrer Funktion als Kaiserin von Österreich überzeugen muss. Auch Jesus schafft den Durchbruch in Österreich nicht ganz, da das Gehen am Wasser beim zu niedrigen Neusiedlersee nicht herausragend genug war.
Warum wir neue Erzählungen brauchen
Die Tagespresse versteht die österreichische Seele als selbstironisch – allerdings nur, solange außer Zweifel steht, dass die Österreicher*innen im Grunde schon die Besten sind. Für dieses Publikum wurde das Programm geschrieben. Als Nicht-Wienerin und junge Frau fehlten mir an manchen Stellen die Insider. Manche Witze fühlten sich alt und wenig innovativ an. Dadurch hatte das Stück Längen und auch die Videobeiträge konnten diese nicht immer auflösen.
Die größte Schwäche sehe ich bei der Thematisierung des Zweiten Weltkriegs. Zwischen 1939 und 1955 passierte nämlich gar nichts. Es gäbe keine Dokumentation. Österreich sei nur Opfer gewesen und Ein Lausbubenstreich steht geschrieben auf den Bildschirmen. Die Redaktion habe keine Information zu dieser Zeit. So erklärt es der Moderator dem Publikum. Opfermythos aufzeigen – immer gut.
In einer Comedyshow Stille zulassen ist bei diesem Thema auch gut. Jedoch muss danach etwas passieren. Es braucht gute Pointen, Stories und Innovation, damit die Stille in einem wirkungsvollen Kontrast stehen kann. Dies ist nicht passiert. Eingestiegen wurde 1955 mit Szenen vom Opernball und dem Wiener Walzer.
Insgesamt im Hinblick auf den Humor ein erwartbares Programm für Die Tagespresse, welches sich an manchen Stellen trauen dürfte, neue Narrativen der österreichischen Seele zu bedienen.


