Ziehen zwei Schwestern nach New York…
Das Musiktheater Linz begibt sich mit „Wonderful Town“ auf eine Zeitreise in das chaotische New York der 1930er-Jahre.
„Das ist genau die Art von Musical, an die Menschen, die keine Musicals mögen, denken, wenn ich ihnen erzähle, dass ich gern Musicals schaue.“
Nach einer wahren Begebenheit
Der Plot des Musicals, das auf dem Bühnenstück bzw. Film „My Sister Eileen“ basiert, die wiederum auf den autobiografischen Kurzgeschichten von Ruth McKenney basieren, ist schnell erzählt.
Die beiden Schwestern Ruth und Eileen Sherwood ziehen von Ohio nach New York, um ihre Träume zu verwirklichen und den großen Durchbruch zu schaffen – Ruth als Autorin, Eileen als Showgirl. Während Ruth stark auf ihre Karriere fokussiert ist und Männern wenig Aufmerksamkeit schenkt, zieht Eileen die Aufmerksamkeit zahlreicher Verehrer auf sich. Doch wie könnte es anders sein: Am Ende verliebt sich natürlich auch Ruth.
So simpel die Handlung gestrickt ist, so sehr zieht sie sich an manchen Stellen. Allerdings nicht immer an den richtigen. Vor allem die Liebesgeschichte wirkt, als sei sie bereits abgeschlossen – bevor man überhaupt richtig bemerkt hat, dass sie begonnen hat. Gleichzeitig gibt es Songs und Szenen, die den Plot kaum voranbringen und ihn eher unnötig in die Länge dehnen.

Ein Musical der alten Schule
Neben den beiden Hauptdarstellerinnen steht vor allem das Orchester im Fokus. Abgesehen von einer klassischen Ouvertüre gibt es immer wieder Momente, in denen auf der Bühne wenig passiert und die Musik ganz bewusst in den Vordergrund rückt.
Knister*Wissen: Eine Ouvertüre ist ein musikalisches Vorspiel zu einer Oper, Operette, einem Musical oder Oratorium, das häufig zentrale Themen des Werks vorwegnimmt. Der Begriff stammt vom französischen “ouverture” („Eröffnung“).
Mit Songs wie „Ohio“ oder „A Little Bit in Love“ erschafft die von Leonard Bernstein komponierte Musik eingängige Melodien, die auch Stunden nach der Vorstellung noch im Ohr bleiben.

Mein Fazit
Mein erster Gedanke während der Vorstellung war: „Das ist genau die Art von Musical, an die Menschen, die keine Musicals mögen, denken, wenn ich ihnen erzähle, dass ich gern Musicals schaue.“ Vieles wirkt überzeichnet, es gibt eine kurze Stepptanz-Nummer. Das einzige, was für das perfekte Klischee noch gefehlt hätte, wären klassische “Jazz Hands” gewesen.
Knister*Wissen: Jazz Hands sind eine Tanzbewegung, bei der beide Hände mit gespreizten Fingern und nach vorne gerichteten Handflächen geschüttelt werden – meist begleitet von einem strahlenden Lächeln.
Auch wenn ich die Musik richtig toll fand, konnte ich mit der Geschichte wenig anfangen. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass das Stück aus dem Jahr 1953 stammt. Für seine Zeit ist es sicherlich gelungen. Und auch das Musiktheater Linz hat das Beste aus der Vorlage herausgeholt. Mit modernen Musicals lässt es sich meiner Meinung nach dennoch nur schwer vergleichen.



